Bildwerdung

Vortrag an der Kunsthochschule Kassel

In der Kunsthochschule Kassel gibt es das Format »Punkt Sechs«, ein kunstpädagogisches Forum zum wissenschaftlichen Austausch über Forschung und Lehre, das Prof. Dr. Tanja Wetzel veranstaltet. Am Di, den 18.06.2019 um 18.00 Uhr spricht Prof. Dr. Andrea Sabisch zum Thema »Sehend involviert werden« über prozessuale Fallverläufe ihrer Studien zu Bildwerdung und Bilderfahrung.

Rezension zur »Bildwerdung« von Iris Laner

Die Erziehungswissenschaftlerin Iris Laner hat in der erziehungswissenschaftlichen Revue (EWR) jüngst eine auführliche Rezension zur Studie Bildwerdung von Andrea Sabisch veröffentlicht. Einige Auszüge in chronologische Reihenfolge daraus: »Das beispielhafte Vorgehen im empirischen Teil des Buches wird dabei in eine eingängige Methodenreflexion und eine intensive Theoriediskussion eingebettet, die Stimmen aus unterschiedlichen Disziplinen, wie der Erziehungswissenschaft, der Philosophie, der Bildwissenschaft und der Psychoanalyse, ins Gespräch bringt. […]
Gerade dort, wo die Autorin auf kaum bis nicht diskutierte Aspekte der Bildungstheorie hinweist, ist das Buch Bildwerdung nicht nur als Fallstudie interessant. Durch das Miteinbeziehen von philosophischen, bildwissenschaftlichen und psychoanalytischen Theorien leistet es einen spannenden Beitrag zur interdisziplinären Theoriebildung, die sich als besonders geeignet zeigt, auf blinde Flecke der Heimdisziplin hinzuweisen. […]
Sabischs erster beschriebener Fall von Anika und Beeke macht nicht nur in überzeigender Weise klar, dass Zeigen und Sagen, Verkörperung und Versprachlichung eng miteinander verbunden sind und dass diese Verknüpfung eben da sichtbar wird, wo die oberflächliche Solidität erfassender Worte zu bröckeln beginnt. Sabisch zeigt dies in ihrer Fallbeschreibung, die nicht nur sehr exakt und behutsam, sondern auch lebendig, ja, fast mitreißend ist, und in der nachfolgenden Analyse überzeugend. […]
Blickt man […] auf die mittlerweile zahlreichen und vielfältigen Untersuchungen, Analysen und Reflexionen über Bildungsgehalt, Lerneffekte und Kompetenzerwerb im Rahmen der Auseinandersetzung mit visuellen Medien und Bildern, zeigt sich mit aller Deutlichkeit die – nicht nur – diskursive Dringlichkeit des Themas, dem sich Bildwerdung verschreibt. Auch bildungspolitisch gesehen ist der Rahmen, in dem die Autorin ihre Fallstudien theorieaffin, weitsichtig und reflektiert einbettet, höchst brisant. Richtlinien wie das Common European Framework of Reference of Visual Literacy bewerten den kompetenten Umgang mit visuellen Medien und Bildern als zentral für die Umsetzung solider und umfassender Bildungsprogramme. Ihr Buch ist ein spannender, aufschlussreicher und ausgesprochen schön zu lesender Beitrag zu einer Debatte, die damit sicherlich noch nicht zum Abschluss gelangt, aber um viele Ideen, Impulse und Materialien bereichert ist.«

Vortrag an der CAU in Kiel

An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hält Andrea Sabisch heute um 18 Uhr einen Vortrag mit anschließendem Workshop zum Thema »Bilder im Entstehen«. In diesem Vortrag geht es um die zeitgemmäße wie rätselhafte Frage, wie wir Bilder erfahren und wie wir diesen Prozess in der Forschung einholen können. Wie stellen sich Bilder ein? Was geschieht, wenn wir Bilder ansehen? Wie ist das Verhältnis vom Bild zum Imaginären zu denken? Wie affizieren uns Bilder? Und wie entstehen Bilder jenseits des Wiedererkennens? Wie kann man Bildfindungen und Bildwerdungen zeigen? Anhand verschiedener Beispiele zeigt die Hamburger Bildforscherin Andrea Sabisch, wie dynamische Prozesse des Bildens in Lehre und Forschung zum Thema werden können, ohne sie zu erklären oder ihnen ihre Sperrigkeit zu nehmen.

Neue Monografie zur Bilderfahrung

Der neue Band zur Bildwerdung ist soeben im kopaed Verlag München erschienen und kann ab sofort bestellt werden!
Die Entstehung des Neuen ist eng mit Prozessen der Bilderfahrung und dem Sichtbarwerden verwoben. Sie berührt den Kontext von Bildung und Forschung auf elementare Weise. Durch Bilder lernen wir etwas anderes zu sehen und auf neue Weise wahrzunehmen. Aber wie lässt sich der Prozess der Bildwerdung denken? Wie erfahren wir Bilder? Was geschieht, wenn wir Bilder betrachten, entwerfen oder herstellen? In welcher Weise regulieren, ordnen, formen und organisieren Bilder unsere Vorstellungen, Erinnerungen und Affizierungen? Wie richten sie uns räumlich und leiblich aus?
Während sich diese Fragen kaum übergreifend beforschen lassen, da sich das komplexe Geschehen zwischen Bildwerdung und Subjektbildung einem direkten Zugang entzieht, entwirft Sabisch ein experimentelles Forschungssetting für eine indirekte Empirie. Am Beispiel von zwei künstlerischen Bildsequenzen und verschiedenen schulischen Gruppensituationen untersucht sie leibliche, zeichnerische, emotionale, sprachliche und zeigende Antworten auf Bilder. Anhand kontrastiver Fälle arbeitet sie Symptome der Bilderfahrung heraus, die als Gelenkstelle zwischen Besonderem und Allgemeinem, wie auch dem Singulären und Exemplarischen fungieren. Sie entwickelt so nicht nur eine zeitgemäße Kasuistik symptomatischer Bilderfahrungen, sondern entfaltet zudem Grundlagen für eine Methoden- und Theoriebildung der Bilderfahrung im Horizont von Responsivität.