Kommunikation

Neue Schriftenreihe „Kunst Pädagogik Partizipation“

Das erste Buch der Initiative zum Bundeskongress 2010-2012 ist erschienen. Es heißt „Shift- Wandel, Wechsel, Verschiebung, Verlagerung, Veränderung“ und behauptet einen Wandel der kunstpädagogischen Rahmenbedingungen mit Blick auf drei große Schlagworte: #Globalisierung #Medienkulturen und #Aktuelle Kunst. Ausgehend von Arbeitsprozessen aus vier Arbeitsgruppem entstand ein interessanter Sammelband, der versucht partizipartorische Formen, Themen und Fragen in eine entsrechende Buchform zu übersetzen. Sehr unterschiedliche Textformen, vom Statement über Tagungsberichte, Essays bis hin zu kleinen „Lexikoneinträgen“, machen dies Buch nicht nur unterhaltsam, sondern auch anregend für weiterführende Diskussionen in der Lehre oder auf dem Bundeskongress im Oktober. Darin Sabisch, Andrea: Expeditionen ins Lehrreich.

Tagung „Fragwürdiges Bilderbuch“

Bilderbücher sind mehr als visuell gestützte Erzählungen oder textuell kommentierte Bildserien. Bilderbücher sind kulturelle Transformatoren von symbolischen und imaginären Welten. Während sich die Besonderheit des Bilderbuchs aus der Doppelstruktur von Text und Bild speist, ist die Praxis der Bilderbuchrezeption geprägt von einseitigen Umgangsweisen: Noch immer werden Bilderbücher zumeist auf eine Narration hin rezipiert. Gleichzeitig fällt auf, dass der Umgang mit dem spezifisch Bildlichen Unsicherheiten provozieren. Dies steht in einem Spannungsverhältnis zum gesellschaftlichen Mediengebrauch und ästhetischem Erfahrungswandel. Durch die digitale Zäsur verändern sich nicht nur visuelle Darstellungsmodi und Kommunikationsstrukturen, sondern auch Text-und Bildrelationen des bisher so traditionellen Mediums. Im Bilderbuch wird mit Nähe und Ferne zwischen Text und Bild, mit textuellen und visuellen Leerstellen, mit Blick- und Leserichtungen experimentiert. Neue Formate, wie z.B. die Graphic Novel, assoziative Bildserien oder offene Bildepisoden entstehen. Es verwundert nicht, dass sich mit dem wandelnden Verständnis des Bilderbuchs auch die Adressatenkreise und der Wirkungsanspruch dieses Genres verändern. Bilderbücher sind vermehrt als All-Age-Bücher konzipiert, die zum Assoziieren und Befragen herausfordern.

Inwiefern aber lässt sich das Bilderbuch selbst befragen? Was ist in theoretischer und didaktischer Hinsicht fragwürdig an diesem facettenreichen Medium? Welche Bildungs- und Lernpotenziale bietet das Bilderbuch? Was ist das spezifisch Visuelle und Textuelle? Wie lässt sich darüber sprechen? Wie kann man visuell darauf antworten? Was sind spezifisch ästhetische Erfahrungen mit Bilderbüchern? Wie wird das Imaginative in Bilderbüchern hervorgerufen? Welche Rezeptionszugriffe entwickeln Kinder auf unterschiedliche Formen der Text-Bild-Relationen? Welche Interaktionsformen zwischen Bilderbuchvermittler/innen und Kindern gibt es? In welchem Verhältnis stehen diese zu den je spezifischen Potenzialen des Bilderbuchs? Welche Fragen kann eine interdisziplinäre Grundlagenforschung zur Bilderbuchrezeption behandeln? Wie kann eine Produktionsforschung gedacht werden?

Die Arbeitstagung richtet sich an interdisziplinär Forschende, Doktoranden und Studierende. Das Programm finden Sie hier.
Eine vorherige Anmeldung per Mail wird erbeten an andrea.sabisch@uni-hamburg.de und iris.kruse@uni-hamburg.de

Forschungskolloquium „Schreiben, Zeichnen, Forschen“

Interessierte Wissenschaftler/innen am Forschungskolloquium mit dem Thema „Schreiben, Zeichnen, Forschen“ sind herzlich eingeladen am 11. Mai 2012 in die Universität Hamburg zu kommen. Mit diesem Kolloquium soll der Versuch gestartet werden, Forschende im deutschsprachigen Raum zusammen zu bringen, die sich mit den Relationen und der spezifischen Medialität und Materialität von Bild und Sprache wissenschaftlich auseinandersetzen. Während schriftliche Notationspraktiken und Aufzeichnungen bereits im 20. Jahrhundert in der Forschung thematisiert wurden, kann man gegenwärtig die theoretischen Debatten über die Relevanz des Visuellen in Erkenntnisprozessen mit verfolgen. So entstehen derzeit Forschungsarbeiten zum Thema des Zeichnens, zur medialen Übersetzung von Bild und Sprache, zur „Visual literacy“, zum Sprechen über Kunst oder zur Kategorisierung visueller Erfahrung.

In diesem ersten Kolloquium soll vormittags ein Austausch zwischen den Beteiligten angeregt und die eigenen Forschungsarbeiten vorgestellt werden. Nach einem gemeinsamen Mittagessen stellen dann Christoph Hoffmann (Universität Luzern) und Judith Marlen Dobler (Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel) ihre eigenen Forschungen vor. Ziel ist es eine neue interdisziplinäre Forschungsgruppe zu gründen.
Näheres zum Programm finden Sie hier.

Interessierte richten sich bitte per Mail mit kurzer Angabe zum eigenen Forschungsprojekt an andrea.sabisch@uni-hamburg.de

Veranstalterin: Prof. Dr. Andrea Sabisch

Wo?
Universität Hamburg
Fakultät 4, FB Erziehungswissenschaft
Ästhetische Bildung
Von-Melle-Park 8
Raum 504

Vortrag im Hamburger Kinderbuchhaus

Unter dem Titel „Kinder sprechen über Bilderbücher – Forschung zur visuellen Bildung“ halte ich morgen um 19 Uhr in der Reihe mitReden! einen Vortrag im Hamburger Kinderbuchhaus im Museum Altona. Er handelt davon, dass Visuelle Bildung mehr ist, als ein „Lesen“ von Bildern oder ein wiederentdeckendes Sehen. Vielmehr beginnt visuelle Bildung mit einem individuellen Aufmerksamwerden auf etwas, mit einem Staunen oder einer Fremdheit. Aber wie kann man dieses Aufmerksamwerden erforschen? Wie kann man ein bildendes Sehen durch Bilderbücher hervorrufen? Welche Bilderbücher eröffnen Kindern die Möglichkeit des visuellen Staunens? Wie hängen Sehen und Denken, Bild und Sprache zusammen? Und wie erzeugen Bilder Sinn?

Achte Expedition Ästhetische Bildung

Die achte Expedition Ästhetische Bildung fand an der Hamburger Stadtteilschule Eidelstedt statt.  An dieser Schule können Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse an einem Tag in der Woche ihr so genanntes “Profil”, in diesem Falle “Kunst” studieren.

In sechs zusammenhängenden Stunden erfahren sie, wie es ist, über Monate an einem selbst gewählten Thema individuell und im Team zu arbeiten. Die 10. Klasse im Kunstprofil von Julie Heitmann wählte das Thema: “Alice – Bist Du im Wunderland?” Nachdem die Schülerinnen und Schüler mit der engagierten Lehrerin schon viel zeitgenössische Kunst in Berliner und Hamburger Museen und Galerien (u.a. die Wunder-Ausstellung in den Deichtorhallen) kennengelernt hatten, sollten sie an diesem Tag ihre individuellen Projekte fertigstellen und präsentieren.

Eine Aufgabe bestand darin, Szenerien aus “Alice im Wunderland” auf die eigene Schule zu übertragen, sich entsprechende Orte zu suchen und räumliche Modelle, Grundrisse und Gestaltungsideen zu entwerfen, an denen die Szenen als Bühnen für ein Theaterstück in mehreren Loops entwickelt werden können.  Alle Teilnehmenden (Hochschullehrende, Studierende und Referendare) fühlten sich von diesem individualisierten Unterricht in den Bann gezogen: Neben einem von den Schülerinnen und Schülern entworfenen visuellen Blog, wurden die unterschiedlichsten Modelle gebaut, Ansichten gezeichnet, tagebuchartige Eintragungen in ein Kunstheft aufgezeichnet,  Streetart-Ideen zu Alice umgesetzt, die Kunstbibliothek genutzt, Software für 3-D-Darstellungen oder Grundrisse ausprobiert, Kostenvoranschläge erstellt, Zeit- und Ablaufpläne zur Realisierung angefertigt und über Probleme der Darstellung gesprochen.

Beeindruckend war die Kombination aus einer konzentrierten und individuellen Herangehensweise von Einzelnen und Teams als auch aus einer ansteckend herzlichen und offenen Arbeitsatmosphäre, die im Wechselspiel mit der verbindlichen und überaus kompetenten Lehrerin Julie Heitmann entstand. Dies zeigte sich auch daran, dass in der gemeinsamen Reflexion der Expedition noch einige Schülerinnen freiwillig blieben, um mitzusprechen und zuzuhören. Insgesamt hinterließ dieser Tag bei allen Teilnehmenden sehr eindrucksvolle Momente, die zahlreiche Ideen und Motivation für eigene innovative Unterrichtsprojekte und neue Kooperationen entstehen lassen.

Das Unheimliche in Bilderbüchern und Filmen

Aus den Werkstattseminaren Film und Illustration von Dr. des. Manuel Zahn und Prof. Dr. Andrea Sabisch sind in den letzten Jahren einige Bilderbücher und Filme entstanden, die am Mittwoch, 02.11.2011 im Foyer der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft (Von-Melle-Park 8, 20146 HH) ab 19 Uhr für einen Abend präsentiert und ausgestellt werden. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Empirie des Lehrens

In den »Lehr-Performances – Filmische Inszenierungen des Lehrens« thematisieren Manuel Zahn und Karl-Josef Pazzini als Herausgeber das Lehren als bislang unbekanntes, komplexes, nachhaltiges und wenig erforschtes Beziehungsgeflecht. Ausgehend von einer interdisziplinären Ringvorlesung an der Universität Hamburg entstand ein Buch, welches für bildungs-, kultur- und medienwissenschaftliche Kontexte höchst aktuell und interessant ist. Die Einzelbeiträge erforschen das Lehren als performatives Phänomen, welches nicht 1:1 in Lernprozesse übersetzbar ist, sondern längerfristig, mehrdimensional und interdisziplinär gedacht werden muss. Anhand von Filmen, wie »Die Welle«, »Das fliegende Klassenzimmer«, »Le Fils«, »L`Enfant sauvage«, »Der Club der toten Dichter«, »Entre le murs«, »Blackboards«, »Mona Lisas Lächeln«, »Monsieur Mathieu«, »The  Wire«, »Das weiße Band« untersuchen die Autoren verschiedener Disziplinen nicht nur die filmische Darstellungen im Hinblick auf Facetten des Lehrens, sondern begreifen die Filme als eine andere Form der Empirie: Eine Empirie, die die Konstruiertheit und Fiktionalität ihrer Daten ernst nimmt.

Kunst – Sprache – Vermittlung

Das achte kunstpädagogische Forschungskolloquium an der Evangelischen Akademie Loccum findet zum Thema »Kunst – Sprache – Vermittlung – Beschreibungen von kunstpädagogischen Prozessen« vom 2.-4. September 2011 unter der Leitung von Kerstin Asmussen, Katja Helpensteller, Gila Kolb und Evelyn May statt. Die Sprache ist für die kunstpädagogische Forschung in doppeltem Sinne bedeutsam: Zum einen in der Begegnung mit Kunst und ästhetischen Prozessen in Situationen der Kunstvermittlung, zum anderen in der Forschung darüber und der damit verbundenen Aufgabe der Dokumentation, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse. Als zentrales Instrument der Verständigung dient Sprache im Kunstunterricht und in der Kunstvermittlung etwa der Reflexion von eigenen ästhetischen Arbeiten, dem Feedback seitens der Lehrenden und Lernenden und der Rezeption von Kunstwerken, indem individuelle Perspektiven und Sichtweisen verbalisiert werden. Doch lassen sich ästhetische Erfahrungen und subjektive Wahrnehmungen in ihrer Gänze verbal erfassen? Gottfried Boehm etwa lehnt eine Übersetzbarkeit von Bildern in verbale Sprache ab; Ursula Brandstätter betont die Unübersetzbarkeit der ästhetischen Erfahrung in Begriffe (vgl. Lange 2010). Doch im Forschungskontext ist Sprache ein primäres Medium, um ästhetische Prozesse zu beschreiben: Schülerinnen und Schüler oder andere Personen im Forschungsfeld reflektieren ihr Tun, die Forschende wiederum beobachten, stellen Fragen, analysieren und interpretieren. Dabei bewegen sich Forschende im weiten Feld einerseits mit  der eigenen Argumentation zu überzeugen zu müssen und andererseits für die Lesenden ansprechend zu erzählen (vgl. Reichertz, Soeffner 1994, S. 310).
Im Rahmen des diesjährigen Kolloquiums soll beleuchtet werden, ob und inwiefern gerade in der kunstpädagogischen Forschung ein besonderes Potential für mehrdimensionale Übersetzungsstrategien aus der Kunst heraus besteht oder bereits praktiziert wird. Welche Strategien verfolgt der wissenschaftliche Nachwuchs, um kunstpädagogische Prozesse zu beschreiben? Ziel ist es ein Nachdenken über das Verhältnis von Sprache, Kunst, Kunst-vermittlung und kunstpädagogischer Forschungspraxis anzuregen. Dr. des. Rahel Ziethen (Universität Hildesheim) wird das Kolloquium dazu mit einem impulsgebenden Beitrag bereichern. Näheres hier

Expedition Ästhetische Bildung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die fünfte Expedition Ästhetische Bildung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik fand am 9. Juni in der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. 16 Kunstpädagog/innen aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Berlin und Hamburg trafen sich, um den kollegialen Dialog über Kunstvermittlung vor Ort zu diskutieren. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie man Vorstellungen und Imaginäres im Kontext von Ästhetischer Bildung thematisieren, aktivieren und kontextualisieren kann. Das Besondere dieses Austauschs war die gemischte Zusammensetzung der beteiligten Expertisen, bzw. Professionen: Drei Lehrerinnen, zwei Referendarinnen, vier Museumspädagog/innen, drei Studierende, zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und zwei Professor/innen aus unterschiedlichen institutionellen und regionalen Perspektiven.
Nach einem kurzen Vortrag zur kunstpädagogischen Arbeit im Museum (Hofmann), stellte die Leiterin der Kunstvermittlung der Schirn (Dr. Eschenfelder) mit ihrer Kollegin Rauber die eigenen Arbeitsweisen, Formate und Angebote vor. Unter der Leitung von dem freien Kunstpädagogen und Lehrbeauftragten Fabian Hofmann und Prof. Dr. Andrea Sabisch konnten die Teilnehmenden zwischen zwei Zugängen und Ausstellungen wählen. Während eine Gruppe bei der Führung zur Ausstellung von Francesco Clemente hospitierte, um diese im Hinblick auf die Öffnung für Imaginäres zu befragen, entwarf die zweite Gruppe zur Ausstellung der zypriotischen Künstlerin Haris Epaminonda eigene Ideen für Imaginationsbildungen, die in der Kunstvermittlung Anwendung finden können. Ein gemeinsames Gespräch über die verschiedenen Weisen der Vermittlung in Bezug auf die Exponate und eine zukünftige Vernetzung beendete den diskussionsfreudigen und anregenden Nachmittag.