Kommunikation

Expedition Ästhetische Bildung zu Hamburger Schule



Im Rahmen des kunstpädagogischen Bundeskongresses 2010-2012 laden Andrea Sabisch (Universität Hamburg), Ansgar Schnurr und Rudi Preuss (TU Dortmund) in Hamburg und Nordrhein-Westfalen zu institutionsübergreifenden Reflexionen über die Formen und Möglichkeiten ästhetischer Bildung ein.
Die erste Hamburger Expedition Ästhetische Bildung in die Rahlstedter integrative Regelschule Potsdamer Straße war eine Entdeckungsreise zum Kunstunterricht von Christina Harms. In einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe der Klassenstufen 1-3 beobachteten zehn Kolleginnen aus Museum, Schule, Hochschule und Theater, wie Kinder Ideen für die Gestaltung von selbst entworfenen Möbelstücken zeichnerisch entwarfen, diese in Kleingruppen konzeptionell und praktisch entwickelten und besprachen. Nach dem vielschichtigen Einblick in singuläre und kollektive ästhetische Prozesse im Unterricht entstand unter den Expeditionsteilnehmerinnen ein kollegialer Dialog, der die Schwierigkeiten und Gelingensbedingungen von kunstpädagogischer Lehre in jahrgangsübergreifenden Gruppen thematisierte.

Expeditionen Ästhetische Bildung – Plätze frei


Im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik (www.buko12.de) soll – unter der Federführung der Universität Hamburg (Prof. Dr. Andrea Sabisch) und der TU Dortmund (Dr. Ansgar Schnurr und Dr. Rudolf Preuss) – eine Kommunikation über Formen kunstpädagogischer Lehre mittels Hospitationen zu verschiedenen Bildungsinstitutionen initiiert werden, um den kollegialen Dialog über Problemstellungen und Gelingensbedingungen von Kunstvermittlung und Kunstunterricht vor Ort zu fokussieren.
Allen Bildungsexpeditionen ist gemein, dass eine regionale Vernetzung und Partizipation zwischen verschiedenen außerschulischen und schulischen Lehrenden und zwischen verschiedenen Ausbildungsphasen (Studierende, Referendare, Lehrer, Hochschullehrer) angeboten wird. Ziel ist es, die professionelle Kommunikation und Reflexion von kunstpädagogischen Fragen der Lehre vor dem Hintergrund der unterschiedlichen institutionellen Kontexte und Perspektiven herzustellen, um Ansprechpartner und Impulse für die eigene Lehre zu erhalten.
Die ca. zehn halbtägigen Expeditionen finden in Hamburg, im Ruhrgebiet und in Frankfurt an schulischen und außerschulischen Einrichtungen im Zeitraum von Mai 2011 bis April 2012 statt.
In Hamburg startet die Expedition 02 am Mittwoch, den 11.5.2011 von 09:15 bis 14:15 Uhr an der Schule Potsdamer Straße.
Expedition 05 findet nachmittags in der Frankfurter Schirn Kunsthalle statt.
Noch sind Plätze frei: Zur Teilnahme eingeladen sind Kunstlehrer/innen an allgemeinbildenden Schulen, Museumspädagog/innen, Künstler/innen, Lehrende in der außerschulischen Ästhetischen Bildung. Bitte melden Sie sich an bei Andrea Sabisch – andrea.sabisch@uni-hamburg.de

Illustrationen zum Unheimlichen

Am Mittwoch, den 20.April um 19 Uhr findet die neue Ausstellung von Bilderbüchern im Foyer Von-Melle-Park 8 statt. Zwölf Studierende präsentieren ihre eigenen Illustrationen zu ausgesuchten Texten, die im Seminar „Das Unheimliche“ bei Prof. Dr. Andrea Sabisch entstanden sind. Das Plakat und die obige Postkarte hat Stefanie Frohwein mit Illustrationen von Antje Friedrich entworfen.

Trauer um Helga Kämpf-Jansen


Am 18. Februar ist Prof. Dr. Helga Kämpf-Jansen im Alter von 71 Jahren in Kassel verstorben. Mit ihrem Konzept »Ästhetische Forschung« legte Sie 2001 ein bald vergriffenes Buch vor, welches nicht nur im Kunstunterricht, sondern auch im Rahmen der Lehrerbildung an Hochschulen bis heute viel diskutiert wird. Mit Helga stirbt eine der ersten kunstpädagogischen Professorinnen, die kunstdidaktisch, künstlerisch und menschlich für eine Kunstpädagogik eingetreten ist, die Denken und Machen geist- und erfindungsreich verbindet. Die Pressemitteilung der Uni Paderborn finden Sie hier

Ästhetische Bildung – demnächst ein Wald ohne Bäume?

Seit der gescheiterten Schulreform ist Bildung und Schulpolitik zum Tabu in Hamburgs Behörden geworden. Während Bürgermeister Ahlhaus auf seiner Homepage »Ruhe für Hamburgs Schulen« verkündet – was bei den fehlenden Bildungsplänen eher zynisch wirkt – , streicht sein Senator Wersich mit der Deputation möglicherweise am 22. Februar eine verlässliche Grundlage für die gesamte ästhetische Bildung.
Deputationen sind eine hamburgische Spezialität, die die Mitwirkung der Bürger an politischen Entscheidungen garantieren soll. Dass eine Deputation im bestehenden Proporz (=15 ehrenamtliche Bürger – 7 CDU, 6 SPD, 1 GAL, 1 Die Linke) jedoch zwei Tage, nachdem der Senator vermutlich abgewählt sein wird, über das Ende der Ästhetischen Bildung entscheidet, ist ungeheuerlich. Vor allem fehlt es aber an einer angemessenen Expertise, die die gesellschaftlichen Folgen und Dimensionen derartiger Entscheidungsprozesse aufzeigt.
Trotz des schlechten Zeugnisses in der überregionalen Presse („„Anfang vom Ende der Kunst“ – Hamburg – Hamburger Abendblatt“ im Hamburger Abendblatt, „CDU-Kandidat Scheuerl und Senator Wersich streiten über Kunstunterricht “ in Die Welt, die Pressemitteilung der Behörde für Schule und Berufsbildung mit dem Titel „Abschaffung von Kunst in der Schule“, die beiden Darstellungen der taz: Streit um Lehrpläne_ Feldzug für den Kunstunterricht – taz.de, CDU will Kunstunterricht abschaffen_ Wo bleibt die Kunst, Hamburger Morgenpost) bastelt Hamburg mit kaufmännischer Expertise nicht nur an einer rigorosen Reduzierung der Kunst naht, sondern der gesamten ästhetischen Bildung, da die Fächer Kunst, Theater und Musik keine langfristig verlässliche Planungssicherheit seitens der Behörde erhalten, wie sie in der Lehrerbildung auch an Universitäten und Kunsthochschulen in Zukunft nur noch eine unsichere Zukunft haben.
Die Kontingentierung der Stundentafel verschiebt die Verantwortung einer ästhetischen Bildung für alle auf die vermeintliche Autonomie der Schulen. Das ist keine Politik, sondern eine rein verwaltende Sparmaßnahme unter dem Deckmantel der Förderung einer dynamischen Schulentwicklung. Es findet eine Hierarchisierung von wichtigen und unwichtigen Fächern statt. Während das Kontingent für Sport fix gesetzt ist, muss in der Fachgruppe der ästhetischen Fächer wie auf einer Auktion geboten werden. Fachliche Begründungen sind kaum mehr notwendig, die Entscheidungen der Schulleitungen vermutlich meistens pragmatisch, in Abhängigkeit vom vorhandenen Personal und den Vorlieben von Eltern des Einzugsgebiets.
Von dieser radikalen Kürzung, welche die Fächer Kunst, Theater und teilweise Musik als Pflichtunterricht aufgibt, sind aber nicht bloß die Klasse 1-6 betroffen, sondern auch die Klasse 7-10. Statt acht Jahren verbindlichen Kunstunterricht, wird die zukünftige Generation oftmals gänzlich ohne Kunstunterricht auskommen müssen, obwohl Bildende Kunst seit Jahren das drittstärkste unter den dezentralen Abiturfächern, mit jährlich rund 1000 schriftlichen Abiturprüfungen ist. Musikunterricht hingegen soll immerhin teilweise verpflichtend bleiben.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Schulen bereits jetzt ihren enormen Fachlehrermangel der Künste selten auszuschreiben wagen, sondern lediglich auf die PISA-Fächer setzen, weil die marginalisierten ästhetischen »Nebenfächer« flächendeckend nicht einmal mit einer Fachkraft pro Jahrgang besetzt werden können. Lieber werden pädagogische Laien mit prekären Kurzzeitverträgen auf die Schüler angesetzt, als hier eine professionelle kunstpädagogische Basis zu schaffen. Mit anderen Worten: Der Rahmenplan Bildende Kunst wird qualitativ und quantitativ jetzt schon oftmals unterschritten. Das scheint für die Behörde jedoch kein Problem zu sein, weil sie es gar nicht erst kontrolliert.
Statt jedem Kind eine professionellen Lehre in den allen ästhetischen Fächern zu garantieren, bekommen die Kinder Musikinstrumente und dann eine Mindestanzahl an Musikstunden. Wie es in der Stundentafel zu der rätselhaften Verlagerung der Künste untereinander kommt, wird nicht transparent. Insofern wird man den Eindruck nicht los, dass das neue Ungleichgewicht der Künste nicht nur einer fragwürdigen Lobbypolitik geschuldet ist, sondern nach dem willkürlichen Gutdünken Einzelner entschieden wird. Wer aber wird in Zukunft das Studium des Kunstlehrers wählen, dessen Chancen jedes halbe Jahr in Hamburg neu auf der Agenda stehen?
Dabei ist der seit ca. 1870 flächendeckend verpflichtende Kunstunterricht in Deutschland ist vor allem an einem Medienstandort wie Hamburg und im digitalen Zeitalter bedeutsam, weil er eine Grundlage schafft für die kritische und ideenreiche Auseinandersetzung mit visueller und audiovisueller Kultur, mit materiellen und medialen Darstellungen, Technologien und Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen. Indem die Kunst Aufmerksamkeiten auf sehr unterschiedliche Art und Weise produziert und transportiert, ist sie mehr als luxuriöser Schnörkel, auf welchen man in Bildungsprozessen ebenso verzichten könnte. Vielmehr kann man Kunst als »Praxis des Antwortens« auf unterschiedliche Aufmerksamkeiten verstehen, die insbesondere in den Lehramtsstudiengängen relevant sind: An der Kunst kann man exemplarisch lernen, wie die Sinne mit dem Logos verknüpft werden, wie Denken und Machen, Sehen und Erkennen zusammenhängen. Eine Schulbehörde, die die ästhetische Bildung derart „autonomisiert“, trägt zur Zerstörung eines wesentlichen Faktor der Wissensproduktion bei. Sie ist entsprechend nicht bloß kunstfeindlich, sondern bildungsfeindlich.
»Wir befinden uns jetzt in Deutschland in einer Periode, die wir wohl vergleichen dürfen mit dem eines abgeholzten Waldlandes: die Kuppen sind entwaldet, sie lassen sich nicht ohne weiteres wieder aufforsten, und so lange sie nicht neu bestellt werden, bleiben sie Ödland. Das, was unsere nächste Generation zu thun hat, ist eine Art Aufforstung des öde liegenden Geländes unserer künstlerischen Kultur« (Lichtwark, S. 187). Dieses Zitat des ersten Direktors der Kunsthalle Alfred Lichtwark stammt aus einer Zeit, in der Hamburg die Wiege der Kunsterziehungsbewegung war und in der »die Vertreter von 34 deutschen Staatsregierungen und von 24 größeren Lehrerverbänden« (8) noch gemeinsam um fachlich fundierte inhaltliche Lösungsvorschläge für die zukünftige Bildung einer neuen Generation rangen. Aus meiner Sicht als just berufene Professorin für Erziehungswissenschaft, zuständig für Bildende Kunst, hoffe ich zusammen mit sämtlichen Fachdidaktikern der sprachlichen und ästhetischen Fächer der Universität Hamburg sehr, dass Hamburg deutlich aufforstet.

Quelle: Alfred Lichtwark auf dem ersten Kunsterziehungstages in Dresden 1901. In: Götze, C / Jessen, P. / Kalckreuth, L. von / Lange, K. / Lichtwark, A. / Pallat, L. / Seidlitz, W. von (Hg.): Kunsterziehung. Ergebnisse und Anregungen des Kunsterziehungstages in Dresden am 28. und 29. September 1901. Leipzig: Voigtländer 1902.

Auftaktveranstaltung zum kunstpädagogischen Bundeskongress 2012


Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik am Freitag, den 26. November 2010, 15-18 Uhr im Frankfurter Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, Frankfurt am Main.
Wie viel Kunst braucht die Kunstpädagogik?“ Diese Frage rückt durch die neuen Bildungsstandards und die Diskussion um Kompetenzen wieder ins Zentrum der Fachdiskussion. Sie eröffnet ein Feld, das weitere grundlegende Fragen nach dem Sinn und Zweck von Kunstunterricht bzw. allgemein von ästhetischer Bildung nach sich zieht. Lässt sich denn das, was die Kunst heute jungen Menschen zu bieten hat, taxieren und „kompetenzorientiert“ verwerten? Zielt Kunst etwa „nur“ auf persönliche Bildung oder auch auf das, was später im Beruf angewendet werden kann – „Schlüsselqualifikationen“, soft skills? Ist aktuelle Kunst und ihre Vermarktung mit unseren sozialen Werten vereinbar? Sollte „Kunst“ angesichts aktueller visueller Realitäten noch den Fokus eines Kunstunterrichts bilden oder nicht eher das „Bild“ in seinen vielfältigen Erscheinungen?
Diese und weitere Aspekte möchten wir diskutieren – kontrovers, engagiert, mit Blicken zurück, nach vorn und hoffentlich über die Tellerränder hinaus. Auf dem Podium werden sechs namhafte Vertreter der Schul- und Hochschullandschaft aus den Bereichen der Kunstpädagogik, der Bildenden Kunst und der angewandten Grafik über diese Fragen debattieren. Die Beteiligung aller Anwesenden an der Diskussion ist ausdrücklich erwünscht und wird durch angelegte Partizipationsmöglichkeiten unterstützt.

Die Diskussionsveranstaltung bildet den Auftakt für den Bundeskongress der Kunstpädagogik 2010-2012.

Prof. Dr. Tanja Wetzel, Kunsthochschule Kassel
Marc Fritzsche, BDK e. V. Fachverband für Kunstpädagogik, Landesverband Hessen und Universität Gießen
Prof. Dr. Torsten Meyer, Universität zu Köln

Einladung: Ausstellung Bilderbücher des Lernbereichs Bildende Kunst

© Stefanie Frohwein

Studierende des Lernbereichs Bildende Kunst an der Universität Hamburg zeigen am 27.10.2010 ab 19 Uhr Ihre selbst illustrierten Bilderbücher, Filme, Skizzen udn Fragmente zum Thema »Das Unheimliche« aus den Werkstattseminaren bei Manuel Zahn und bei mir. Dazu laden wir alle Interessierten herzlich ein. Die Präsentation findet im Café nur für Gäste und im Foyer des Von-Melle-Park 8 statt.

Siebtes Kunstpädagogisches Kolloquium in Loccum

Die Frage nach geeigneten Möglichkeiten der Dokumentation und Publikation grundiert jeden Forschungsprozess. Sie wird mit jeder neuen Forschungsfrage im spezifischen thematischen Feld anders verhandelt. Vielleicht kann eine gewählte mediale Dokumentationsform sogar Anlass für eine neuartige Fragestellung sein. Aber wie kann man »Forschungsergebnisse kommunizieren«, ohne die Darstellungsfragen auszublenden? Was geschieht konkret mit welchen wissenschaftlichen Artikeln, Fachbüchern, Konferenzberichten und sonstigen Publikationen? Für wen wird geforscht und wer profitiert von den Publikationen? Welchen Einfluss haben Geldgeber und Förderer auf den Forschungsprozess und die Form der Publikation? Kann es »einen Rückfluss« der Ergebnisse oder Anteile der neuen Erkenntnis ins Feld geben und wie könnte und sollte dieser Rückfluss sicher gestellt werden? Wie gehen Lehrende an der Schule oder kunstpädagogisch Tätige in Museen und Kultureinrichtungen mit wissenschaftlichen Informationen um? Wie wird dieses meist wenig »publikumsadäquat« aufbereitete Wissen dann tatsächlich im Unterricht und in der Vermittlungspraxis umgesetzt? Was weiß man (bzw. wie findet man etwas heraus) über die strukturellen Hemmnisse, theoretisches Wissen in der Praxis nutzbar zu machen?
Zu diesen Fragen fand vom 3-5.September 2010 an der Evangelischen Akademie in Loccum unter der Leitung von Dr. Maike Aden, Dr. Christine Heil, Esther Richthammer und Katharina Schneider-Albert der jährliche, generationsübergreifende und betreuungsunabhängige Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Kunstpädagogik statt.

Das Subjekt, dem Wissen unterstellt wird: Festschrift für Karl-Josef Pazzini


Lange war es ein gut gehütetes Geheimprojekt, nun ist es da! Am Samstag wurde es anlässlich der Feier zum 60. Geburtstag von Karl-Josef Pazzini endlich enthüllt: Die Festschrift für Karl-Josef Pazzini, die von seinen »Schüler/innen« herausgegeben wurde: Meyer, Torsten/ Crommelin, Adrienne/ Zahn, Manuel (Hg.): Sujet supposé savoir. Zum Moment der Übertragung in Kunst Pädagogik Psychoanalyse, Berlin: Kadmos 2010. – Es ist ein tolles 384-Seiten-Buch geworden mit bildungstheoretischen, kunstpädagogischen udn psychoanalytischen Beiträgen, sowie künstlerischen Interventionen von insgesamt 48 Eingeweihten: continue reading „Sujet suopposé savoir – Festschrift für Karl-Josef Pazzini“ Unbedingt lesenswert!