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  1. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:43

    Falldarstellung: Dr. Sabine Grosser (Universität Paderborn)
    07.09.2004, 19.30 – 20.00 Uhr
    „Andere“ zum „Fall“ erklären?
    Interviews mit Kunstschaffenden Nicht-Westlicher Kulturen
    Im Kontext des Habilitationsprojektes: Kunst und Erinnerungskultur in Sri Lanka – Eine Fallstudie am Beispiel von vier Künstlern und einem Mahnmal (Arbeitstitel)
    Kurzbeschreibung
    Die Fallstudie unternimmt eine Analyse der Arbeiten von vier Künstlerpersönlichkeiten aus Sri Lanka. Die lokalen Produktionsbedingungen und das Selbstverständnis der Kunstschaffenden im asiatischen, vorwiegend theravada-buddhistisch und (post)kolonial geprägten Umfeld werden dabei berücksichtigt. Als zentrale Themen des lokalen Diskurses werden das Verhältnis der Kunst zu Krieg und Gewalt, die Erinnerungskultur, die Suche nach der eigenen Identität sowie kunstimmanente Bezugnahmen aufgegriffen.
    Es werden neben Bild- und Textdokumenten fokussierte Interviews mit den Kunstschaffenden einbezogen, welche deren Selbstkonzepte explorieren, mit dem Ziel eine adäquate Annäherung an die Werke zu ermöglichen und die eigene Wahrnehumg zu reflektieren.
    Mit der Untersuchung künstlerischer Arbeiten, die qua Herkunft nicht in einen westlichen europäischem Kulturkontext sondern mit dem Beispiel Sri Lankas aus einem asiatischen Umfeld stammen, versteht sich die Untersuchung als eine Einzelfallstudie innerhalb einer allgemein zu beobachtenden Öffnung des Kunstbetriebes.
    Im Kontext der Loccum Tagung sollen v. a. Überlegungen zur Beobachter-Rolle und Fragen nach der Funktion von Interviews in diesem Kontext reflektiert werden.
    Zum Kontext der Untersuchung
    Die Arbeit als DAAD Lektorin/senior lecturer an der Univ. Kelaniya (Sri Lanka) ermöglichte mir, ergänzt durch zahlreiche Reisen, fünf Jahre Teilgebiete asiatischer Kulturen kennenzulernen.
    Die kulturelle Szene Sri Lankas, welche sich im wesentlichen auf Colombo beschränkt, konnte ich während dieser Zeit im Sinne einer âteilnehmenden BeobachtungÕ (nach Clifford Geertz) verfolgen. Die so gesammelten Kenntnisse prägen die Konzeption der geplanten Untersuchung, die Formulierung des Themas und die Methodenwahl. Im Sinne einer zweiten Sozialisation konnte ich meine Rolle in dieser Gesellschaft etablieren und dennoch mit der verbleibenden notwendigen Distance das kulturelle Leben „von Innen heraus beobachten“. Emische und etische Perspektiven konnten berücksichtigt werden. Kontakte zur Kunstszene wurden aufgebaut, Vorgespräche geführt, Materialien und Literatur gesammelt und gesichtet.
    Diese Situation ermöglichte eine gezielte Auswahl der Interviewpartner/innen hinsichtlich Ausbildungshintergrund, Sozialisation, Arbeitsweise und Stilrichtungen. Alle ausgewählten Künstler/innen genießen sowohl lokale als auch internationale Anerkennung. Die englische Sprache erwies sich als ausreichend für die Kommunikation. Die organisatorischen Vorarbeiten zur Datenerhebung wurden geschaffen, Interviews durchgeführt und entsprechendes Bildmaterial gesammelt.
    Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Künstler/innen, welche diese Kunstszene in Schlüsselpositionen prägen, aus verschiedenen internationalen Ausbildungszusammenhängen kommen oder durch besonders interessante Arbeiten aufgefallen sind.
    Anhand fokussierter Interviews werden im Hinblick auf ihre Rolle als Künstler in der Gesellschaft ihre Selbst- und Arbeitskonzepte exploriert und mit einer Werkanalyse in Verbindung gebracht. Die Werkanalyse integriert selbstreflexive Komponenten und stellt meine Wahrnehmung den Konzepten der Kunstschaffenden gegenüber.
    Die Interviews wurden geführt mit:
    Chandraguptha Tenuwara – Leiter der Vibhavi Art Academie, der ersten staatlich unabhängigen Ausbildungsstätte für Künstler. Sein Werk setzt sich v.a. mit dem Bürgerkrieg auf der Insel auseinander. Er hat das Konzept des sog. „Barrelism“ entwickelt, in dem er die Ölfasser, welche vom Militär zum Bau der das Stadtbild beherrschenden Checkpoints benutzt wurden, als Zeichen im Kunstkontext umbesetzte.
    Anoli Perera – Künstlerin, sie setzt sich in ihren Arbeiten mit den gesellschaftlichen Veränderungen der postkolonialen Gesellschaft auseinander, besonders mit ihrer Rolle als Frau, Künstlerin und Angehörige der neuen bürgerlichen Mittelschicht.
    Druvinka Madawela – Die Malerin arbeitet primär kunstimmanent mit stark persönlichen Bezügen. Sie experimentiert mit traditionellen indischen Maltechniken, die sie in einer Kombination von Öl- und Acrylfarben zu einer innovativen lasierenden Schichttechnik weiterentwickelt, die auf nepalesischem Bambuspapier suggestive Welten entstehen lassen.
    Koronegela Pushpakumar – Er gehört zu einer neuen Generation von Künstlern, die im eigenen Land ausgebildet wurde und durch bemerkenswerte Malereien und Installationen auffiel.
    Jagath Weerasinghe – Senior Lecturer am Institut for Aesthetic Studies, Mitinitiator des erste Mahnmals in Sri Lanka für die Opfer des andauernden Bürgerkrieges.
    Länge der Interviews: ca. 1 bis 2 Stunden, Sprache Englisch, in einem Fall wurde mit Übersetzer gearbeitet.
    Biografische Daten, Fragen zum Rollenverständnis wurden vorab schriftlich, meist per mail erhoben. Häufig deuteten sich zentrale Themen hier bereits an und wurden dann im weiteren Verlauf des Interviews von verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
    In der Regel war die Stimmung während der Interviews unproblematisch, entspannt. Seitens der Interviewten entwickelte sich ein Erzählfluss, die Abfolge der Fragen erwies sich als schlüssig und Sinn gebend. Während der Interviews sollte durch eine neutrale, nicht-wertende Fragestellungen eine inhaltliche oder wertende Beeinflussung vermieden werden.
    Die Interviews wurden wortgetreu transkribiert. Da sich die Auswertung auf die inhaltliche Ebene konzentriert, spielen „nicht-sprachliche Signale“, metasprachliche Informationen keine wesentliche Rolle und wurden in der Transkription nicht gesondert erfasst.
    Ziele
    Mit der Untersuchung von künstlerischer Arbeiten, die mit dem Beispiel Sri Lankas aus einem asiatischen Umfeld stammen, versteht sich die Untersuchung als eine Fallstudie innerhalb einer allgemein zu beobachtenden Öffnung des Kunstbetriebes, der Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik.
    Diese Öffnung wird häufig als Erweiterung verstanden und in Analogie zur Weltwirtschaft gerne mit dem Begriff „Globalisierung“ assoziiert. Bezogen auf Sri Lanka mit seiner langen Kolonialgeschichte und der Inselsituation sind Aspekte des Austausches, Handels und transkulturelle Prozesse sicher keine Entwicklungen, die erst mit der Ausprägung dieses nur kontextuell zu bestimmenden Begriffs beginnen. Das Land ist dabei von besonderem Interesse, da seine indigene Kultur originär kein Analogon zum westlichen Tafelbild entwickelt hatte, dieses erst im Kontext der Kolonialisierung übernommen wurde. Heute prägt das Tafelbild die junge zeitgenössische Kunstszene Colombos in weit stärkerem Maße als dies aktuell im Westen der Fall ist.
    Sri Lanka steht als Beispiel für ein Land, dessen kulturelles Leben in der Phase des Postkolonialismus stark von gesellschaftlichen Veränderungen und Bürgerkrieg geprägt ist.
    Interviews und Bildmaterialien werden als Quellen herangezogen, um die Selbstkonzepte der Künstler zu explorieren und unter Bezugnahme auf die Wahrnehmung der westlichen Interpretin in Bezug zu setzen und zu allgemeineren Fragestellungen hin zu öffnen, z. B. nach einer möglichen Veränderung eines Kunst- und Bildbegriffes zu fragen oder nachzuspüren welche Funktion Kunst in Anbetracht der Präsenz von Krieg und Gewalt haben kann etc.:

    Wie beschreiben die Künstler/innen ihre Rolle in einer sich rasant verändernden Gesellschaft?
    Worauf beziehen sie sich in ihrem Selbstverständnis und in ihrer Arbeit?
    Welche Rolle spielen westliche oder eigene visuelle Traditionen?
    Führen eventuell interkulturell divergierende Traditionen zu Veränderungen der Leitkategorie „Bild“?

    Damit unternimmt diese Studie zum ersten Mal eine systematische Darstellung einiger zentraler Künstlerpersönlichkeiten Sri Lankas. Kunst- und kulturwissenschaftliche Methoden werden kombiniert, die Selbstvergewisserung der Interpretierenden mit reflektiert. Mögliche Sichtweisen der Kunstschaffenden und meiner selbst als Interpretin sollen herausgearbeitet werden, das Ziel ist keine exklusive, essentialistische Darstellung oder Interpretation zeitgenössischer sri lankanischer Kunst. Sondern eventuell interkulturell differierende Sichtweisen sollen in ihrer Pluralität, eventuell in ihrem Dissens aufgezeigt werden.Die hier projektierten Fallstudie will in diesem Umfeld einen exemplarischen Beitrag leisten, in dem sie zeitgenössische Kunst einer anderen Kultur zum Gegenstandsbereich hiesiger Forschungen macht. Ein erster Schritt, der notwendig ist, um sich der Partikularität der eigenen Perspektive bewusst zu werden und die eigenen Kriterien zu überdenken. Eine Selbstreflexion, die insbesondere auch eingedenk der zunehmenden, visuellen Präsenz fremder Kulturen in der hiesigen Alltagskultur, in Mode, CD-Covergestaltung o.a. immer wichtiger wird.

  2. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:46

    Falldarstellung: Christine Heil (Universität Flensburg)
    08.09.2004, 17.30 – 18.00 Uhr
    „Kunstfallen* als Sprungbretter – Korrespondenzen und Übersetzungen“

    Die Untersuchung von kartierenden und inszenierenden Symbolisierungsprozessen von Studierenden in der Annäherung und Auseinandersetzung mit aktueller Kunst.
    (*Die Kunst fungiert hier insofern als Falle, weil die Studierenden sie sich selbst ausgewählt haben – irgendeinen Köder oder Lockstoff muss es gegeben haben, dass sie ausgerechnet bei einer bestimmten künstlerischen Arbeit stehen geblieben sind oder zu ihr zurückkehrten.)
    Kurztext
    Im Sinne einer Kunst, die Prozess ihrer Herstellung ist, lässt sich jede künstlerische Arbeit als Erfindung einer besonderen Wahrnehumgungs- und Handlungsform auffassen. Eine Vermittlungsstruktur wird vorgegeben, sie muss aber immer wieder erfunden werden. So können in einer künstlerischen Arbeit für ein wahrnehmendes Subjekt neue Perspektiv-Möglichkeiten enthalten sein, die Auslöser für Provokationen oder neue Sichtweisen und Praktiken sind. Meine Grundsätzliche Frage richtet sich darauf, wie das für die Erfindung von innovativen Unterrichtsprozessen immer wieder neu nutzbar gemacht werden kann (dabei kommen die künstlerischen Arbeiten im Unterricht vielleicht gar nicht mehr selbst vor).
    1.Teil: Studierende arbeiten zu Kunst. Was zwischen einer künstlerischen Arbeit und einem Betrachter- bzw. „Anwender“-Subjekt passiert, spielt sich in einem imaginären Raum ab und ist nicht fassbar. Der Raum zwischen Subjekt und Werk vermittelt sich nur symbolisch, z.B. sprachlich und in medialen Übergängen.
    Meine Fragestellung für das Kolloquium richtet sich auf die Untersuchung der entstandenen Dokumentationen und medialen Spuren im kartierenden und inszenierenden Arbeitsprozesse der Studierenden zur Kunst. Es geht darum, aus verschiedenartigen medialen Übersetzungen in unterschiedlichen Reflexionsebenen Strukturen beobachtbar zu machen bzw. strukturelle Ähnlichkeiten aufzuspüren. Wichtige Arbeitsbegriffe sind dabei für mich: Symbolisierung und symbolische Ordnungen, Kartierung/Feldforschung und Inszenierung/performative Verfahren.
    Welche Wege der Auseinandersetzung mit aktueller Kunst wurden von Studierenden erfunden?
    Welche Korrespondenzen sind vermutbar zwischen dem künstlerischen Prozess, wie er sich an einer einzelnen Arbeit zeigt, und den individuellen Herangehensweisen und medialen Zugängen im Annäherungs- und Auseinandersetzungsprozess der Studierenden?
    Kann ich Vermutungen darüber anstellen, welche Anteile tendenziell mehr der individuellen bzw. subjektiven Verfasstheit des jeweiligen ‚Anwenders‘ zuzuschreiben sind?
    Als Leiterin des Seminars bin ich Teil meiner Untersuchung. Wie kann ich mich im Geschehen mitreflektieren (sehen kann ich mich nicht, da ich selbst als „blinder Fleck“ enthalten bin)?
    Literatur zur Vorbereitung
    Iser, Wolfgang: Das Fiktive und das Imaginäre. Perspektiven literarischer Anthropologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1993, S. 481-515

    Pazzini, Karl-Josef: BLK-Gutachten. Kulturelle Bildung im Medienzeitalter. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung, Heft 77. Bonn 1999; http://www.blk-bonn.de/darin: Kapitel 1 (S. 5-9) und Kapitel 4 (S. 35-53)

    Pazzini, Karl-Josef: Kunst existiert nicht. Es sei denn als angewandte. In: BDK-Mitteilungen 2/00, S. 34-39

    Peters, Maria: Perspektiven aus der Kunstpädagogik. In: Mechthild Dehn, Thomas Hoffmann, Oliver Lüth, Maria Peters: Zwischen Text und Bild. Schreiben und Gestalten mit neuen Medien. Freiburg im Breisgau: Fillibach, 2004, S. 22-37

    Sturm, Eva S.: Weiße Tücher, weiße Tasch, weiße Karte. Absicht und Absichtslosigkeit bei Peter Greenaway, Andreas Karner und Lewis Caroll. In: Kunstforum 152/2000, S. 152-161

  3. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:53

    Falldarstellung: Prof. Dr. Georg Peez (Universität Duisburg-Essen)
    08.09.2004, 16.00 – 16.30 Uhr
    „Kunstpädagogik und Biografie“
    Zu den Merkmalen der kunstpädagogischen Profession
    Forschungsprojekt
    Prämissen

    Jeder Mensch ist sowohl individuell als auch gesellschaftlich und kulturell geprägt.
    Bestimmte Einstellungs- und Verhaltensmuster sind typisch für einen bestimmten Berufstand, hier der Kunsterzieherin / des Kunsterziehers.
    Eine Berufsgruppe definiert sich über bestimmte wiederkehrende Diskursmuster und die biografische Bearbeitung bestimmter Themenbereiche.

    Forschungsfragen

    Weisen Kunsterziehende aus unterschiedlichen Generationen und Schulformen Gemeinsamkeiten auf? Und wenn ja, welche?
    Gibt es Merkmale, die schulformabhängig oder generationenabhängig sind?

    Forschungsverlauf

    Ablauf des Hochschulseminars „Kunstpädagogik und Biografie“: Biografisch-narrative Interviews mit einer Kunstpädagogin bzw. einem Kunstpädagogen wurden von je einer/ einem Studierenden geführt, verschriftlicht und in einer Hausarbeit interpretativ qualitativ empirisch ausgewertet.
    Das Seminar fand mit 43 Studierenden an der Universität Duisburg-Essen, Fachbereich „Gestaltung & Kunsterziehung“, im Wintersemester 2002/2003 statt.

    Erhebungsmethode

    Das Verfahren des autobiografisch-narrativen Interviews wurde maßgeblich vom Soziologen Fritz Schütze entwickelt (Schütze 1996; 2001). Es besteht darin, den Interviewpartner nicht, wie üblich, mit standardisierten Fragen zu konfrontieren, sondern zum freien Erzählen zu animieren. Eine Strukturierung des Gesprächs wird also nicht vom Interviewer vorgenommen; sie liegt in der Sprachform „Erzählung“ selbst. Denn es gibt subjektive Bedeutungsstrukturen, die sich im freien Erzählen über bestimmte Ereignisse herausschälen, die sich einem systematischen Abfragen aber weitgehend verschließen würden. Durch Erzählungen werden übergreifende Handlungszusammenhänge und -verkettungen sichtbar, aber auch Diskrepanzen zwischen Lebensplan und Lebenspraxis. Autobiografische Erzählungen dienen insbesondere deshalb der Verarbeitung, der Bilanzierung und Evaluierung von Erfahrungen. Erzählungen besitzen in der Alltagskonversation eine feste Struktur, einen immer ähnlichen Aufbau:

    Abstract als einführender Überblicksteil;
    Schilderung, worum es geht;
    Komplikation;
    bewertende Einschätzung des Geschehens;
    Auflösung der Komplikation;
    Schlussbetrachtung als Kurzresümee und Erkenntnis.

    Im Vorgespräch wurde angesprochen

    Interview wird verschriftlicht
    Anonymität wird gewährleistet
    Interviewmethode und -verlauf des autobiografisch-narrativen Interviews kurz erklären
    Ziel und Zweck des Interviews darlegen (s. oben)
    Zeitrahmen des Interviews klären (mind. ca. 20 bis 30 bis über 90 Minuten; Länge kann von der interviewten Person selbst bestimmt werden)

    Merkmale der Interviewsituation

    Interview mit möglichst zwei Aufnahmegeräten parallel aufzeichnen
    Direkt vor dem eigentlichen Interview eine kurze Probeaufnahme machen, um technische Probleme noch beseitigen zu können
    Vertrauen schaffen durch angenehme Atmosphäre, Darlegung des Zwecks des Interviews, Gewährleistung der Anonymität
    höfliche Anrede, Dank, langsam sprechen
    Frage keinesfalls ablesen, sondern selbst frei sprechen (Frage zuvor einprägen)
    Frage muss auf dem Tonband mit aufgenommen sein
    Auf ausdrücklichen, spontan geäußerten Wunsch der interviewten Person kann das Tonband (z.B. für eine Pause) abgeschaltet werden.
    InterviwerIn sollte interessiert zuhören, darf aber nicht selbst Meinungen äußern.

    Frageimpuls, im Seminar gemeinsam erarbeitet und festgelegt
    Damit die verschiedenen Interviews später zueinander in Beziehung gesetzt werden können, sollte die einleitende Frage stets gleich sein bzw. gesprochen die gleichen Stichworte (im Folgenden unterstrichen) enthalten. Man einigte sich auf diesen Frageimpuls:
    „Wir führen jetzt (wie evtl. zuvor telefonisch bereits besprochen) ein narratives Interview. Das bedeutet, dass ich Ihnen einen Gedankenanstoß gebe und Sie dann ganz frei erzählen, ohne dass ich unterbreche.
    Falls von meiner Seite noch Fragen offen bleiben, werde ich sie im Anschluss stellen. Ich werde mir also dafür eventuell ein paar Notizen machen, um Ihnen vielleicht am Ende diese Fragen zum Interview stellen zu können.
    Erzählen Sie mir einfach von Ihrem ganzen bisherigen Leben in Bezug auf Ihren Beruf als Kunstpädagogin/ Kunstpädagoge und wie Sie dazu gekommen sind, was Sie bewogen hat, diesen Beruf zu ergreifen – Ihre Entwicklung, einige Schlüsselerlebnisse – so von ganz früh an bis heute.“

    Materialanalyse
    Auswertung des Pre-Test-Materials: nach den Prinzipien der Objektiven Hermeneutik:

    Sequenzialität,
    Extensivität,
    Wörtlichkeit,
    Kontextfreiheit,
    Sparsamkeit (Garz/Kraimer 1994; Wernet 2000, S. 21ff.)

    Vorläufige Ergebnisse
    Wiederkehrende Themenbereiche, die die Vertreterinnen und Vertretern der kunstpädagogischen Profession lebensbegleitend biografisch bearbeiten.

    Prägungen durch Familie, Eltern und Geschwister,
    frühe künstlerische Begabung / eigene Anlagen (sowohl im Künstlerischen wie auch im Pädagogischen), wiederkehrendes Diskursmuster: „Ich habe immer schon gemalt …“
    Selbst erfahrener schulischer Kunstunterricht / frühe personaler Vorbilder,
    Studienzeit und Referendariat als meist von Neuorientierung geprägte „Lehrjahre“,
    ambivalent-kritische Haltungen gegenüber der Institution Schule,
    Kunstverständnis / eigene Stellung gegenüber der Kunst,
    eigene künstlerische Tätigkeit.

    Fragen und mögliche Schwerpunkte für die Tagung

    Zum einen sollte es darum gehen, welche Interpretationsmethode/n auf die autobiografischen Interviews in der Hauptuntersuchung anzuwenden sind. Ursprünglich geht das autobiografisch-narrative Interview auf Fritz Schütze zurück. Für den Umgang mit großen Datenmengen hat sich die Dokumentarische Methode nach Ralf Bohnsack offenbar gut bewährt. Doch das bisher erhobene Material wurde vor allem zeitintensiv nach der Objektiven Hermeneutik interpretiert, doch hiermit wurden gute Erfahrungen gemacht. In Loccum ließe sich deshalb gemeinsam ein Interview interpretieren, z.B. nach der Dokumentarischen Methode.
    Ein weiteres Thema könnte die Evaluation des gesamten Forschungsprojekts mittels qualitativer Verfahren, beispielsweise mittels Triangulation sein. Welche Wirkung hatte das Projekt auf die Studierenden? Welche Wirkung hatte das Projekt auf die befragten Lehrerinnen und Lehrer? Welche Wirkung hat die Untersuchung auf die Entwicklung einer kunstpädagogischen Professionsforschung, einer professionellen Identität für die Kunstpädagogik?
    Ferner wäre interessant, wie sich die bisherigen vorläufigen, sehr allgemeinen Ergebnisse noch klarer in der Gruppe gliedern lassen, evtl. in Hinblick auf Schulformen und Generationen. Sollte sich die Untersuchung evtl. auf bestimmte Schulformen beschränken?
    Sollte Ziel der Untersuchung eine Typenbildung sein? Oder sollte das Herausschälen allgemeiner Professionsmerkmale im Vordergrund stehen?

    Literatur

    Garz, Detlef/ Kraimer, Klaus (Hg.): Die Welt als Text. Frankfurt a.ÊM. (Suhrkamp) 1994

    Schütze, Fritz: Verlaufskurven des Erleidens als Forschungsgegenstand der interpretativen Soziologie. In: Krüger, Heinz-Hermann/ Marotzki, Winfried (Hg.): Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung. Opladen (Leske+Budrich) 2 1996, S. 116-157

    Schütze, Fritz: Rätselhafte Stellen im narrativen Interview und ihre Analyse. In: Handlung Kultur Interpretation. Zeitschrift für Sozial- und Kulturwissenschaften, 1/ 2001, S. 12-28

    Wernet, Andreas: Einführung in die Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik. Opladen (Leske+Budrich) 2000

    Die wichtigsten im Seminar genutzten Transkriptionregeln
    P.: = Abkürzungen für die jeweils sprechende Person
    I.: = Ist immer Interviewerin bzw. Interviewer
    (unv.) oder (unverständlich) = unverständlich
    (Also morgen will ich?) = nicht genau verständlicher, aber vermuteter Wortlaut
    (…) oder […] = Auslassung durch die transkribierende Person
    wahnsinnig = auffällige Betonung (unterstrichen)
    wahnsinnig = Lautstärke (fett)
    jaaa = Dehnung (Je mehr Vokale aneinandergereiht sind, desto länger die Dehnung.)
    Das @haben wir erlebt@. Und danach … = lachend gesprochene Worte (zwischen den @-Zeichen)
    (Lachen) bzw. (lacht), (Unruhe), (Papierrascheln), (geht raus) = Charakterisierung nichtsprachlicher Vorgänge
    (kurze Pause), (lange Pause), (3 Sek. Pause) = Absetzen einer sprachlichen Äußerung, evtl. in Sekundenangabe

  4. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:56

    Falldarstellung: Rabe-Kröger (Universität Lüneburg)
    09.09.2004, 11.00 – 11.30 Uhr
    „Von Fall zu Fall“
    Untersuchung zum Bildgebrauch im digitalen Zeitalter
    Kurztext
    Eine Konsequenz aus den Veränderungen der Bildproduktion durch die Neuen Medien ist eine erneute Diskussion um den Bildbegriff und die Funktion des Bildes. Einige bildtheoretische Untersuchungen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Bestimmung des Bildbegriffs über die bisherigen Kategorien wie Darstellung, Mitteilung und Bedeutung hinaus zu erweitern, indem nun der vernachlässigte Bereich des Bildgebrauchs mit einfließen soll. Das Interesse am Bildbegriff und der Frage „Was ist ein Bild?“ ist somit unmittelbar mit der Frage nach den Gebrauchsformen verbunden.
    Dieser bildtheoretische Diskurs wird von der Ö;ffentlichkeit und der Wissenschaft aufmerksam verfolgt. Die Kunstpädagogik ist mit ihrem Anspruch auf eine Zeitgenossenschaft ebenfalls aufgefordert, sich diesem Diskurs und den aktuellen Kunstpraxen zu widmen und die speziellen Konstellationen des unterrichtlichen Umgangs mit Bildern daraufhin zu überprüfen. Bis vor der Entstehung digital erzeugter Bilder ging die Kunstpädagogik davon aus, dass ähnlich wie in der musealen Situation eine Gegenüberstellung von ästhetischem Objekt und Betrachter als Ausgangspunkt für Lernprozesse anzusehen ist. Die Aktivität des Schülers wurde somit stärker rezipierend als produzierend gedacht. Doch solche fachdidaktischen Konzepte werden weder einem sich wandelnden Bildbegriff noch den Entwicklungen der Gegenwartskunst gerecht. Bildpragmatische Erkenntnisse zum faktischen Bildgebrauch von Kindern insbesondere in Bezug auf die digitalen Medien einzubeziehen und daraus kunstpädagogische Konzepte zu entwickeln, wird daher immer erforderlicher.
    Mein Interesse gilt der Herausarbeitung eines theoretischen Modells, das das rezipierende, produzierende und kommunikative Verhalten von Kindern gegenüber Bildern und somit Veränderungen in den Prozessen des Bildgebrauchs in Zeiten der digitalen Technologien aus kunst- und medienpädagogischer Perspektive erklärt. Mit Hilfe der Grounded Theory als anerkanntes Verfahren der empirisch-qualitativen Sozialforschung soll dieses theoretische Modell entwickelt werden. Vor allem gesammeltes Datenmaterial und dessen analytischer Vergleich stehen im Mittelpunkt dieser Momentaufnahme und stellen die Grundlage zur Theoriebildung dar.
    Zwei verschiedene Forschungssettings kommen dafür zum Einsatz, um sowohl den Bildgebrauch in der privaten Alltagspraxis als auch in einer institutionellen (hier schulischen Unterrichts-) Situation, in der SchülerInnen eine Gestaltungsaufgabe bearbeiten, zu berücksichtigen.
    Gewonnene Daten aus beiden Forschungssettings und die ersten Schritte zu deren Auswertung sollen im Kolloquium in Ausschnitten vorgestellt werden, um daran die Fortbewegung von Fall zu Fall im engen Zusammenhang mit dem theoretischen Sampling aufzuzeigen. Meine Fragestellungen richten sich daran anschließend vor allem auf die Anwendung der Methode der Grounded Theory in Hinblick auf die Ziele des Forschungsvorhabens.
    Wie lässt sich der zentrale Gedanke dieser Forschungsmethode, der in der Gleichzeitigkeit der Erhebung und Auswertung von Daten innerhalb eines theoretischen Samplings liegt, angesichts eingeschränkter zeitlicher, persönlicher und materieller Rahmenbedingungen realisieren?
    Welche Theoriebausteine lassen sich mit Hilfe der Grounded Theory bereits aus den ersten Daten herausziehen, die die weitere Basis für Vergleiche bilden?
    Literaturhinweise zur Vorbereitung

    Bachmair, Ben: Kinderzimmer als Text, Bedeutungskonstitution als kulturelle Aktivität der Rezipienten; in: Neuß, Norbert (Hrsg.); Ästhetik der Kinder, Interdisziplinäre Beiträge zur ästhetischen Erfahrung von Kindern, Frankfurt a.M.; 1999

    Böhme, Gernot: Theorie des Bildes; München; 1999

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hg.): KIM-Studie 2003; Kinder und Medien, Computer und Internet, Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland; Baden-Baden; 2003

    Sowa, Hubert: Ausstellen, Lagern, Erinnern, zur Bildpragmatik der „Kinderzeichnung“; in: Kunst + Unterricht; Seelze; Heft 246/247; 2000; S. 8-21

    Strauss, A. L.: Grounded Theory: Grundlagen Qualitativer Sozialforschung/ Anselm Strauss/ Juliet Corbin. Aus dem Amerikanischen von Solveigh Niewiarra und Heiner Legewie; Weinheim, 1996

  5. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:57

    Falldarstellung: Oliver Reuter (Universität Augsburg)
    08.09.2004, 11.00 – 11.30 Uhr
    „Die Rolle des Subjektiven in der Forschung“

    Forschung versucht, Sachverhalte objektiv zu ergründen und diese von Außen nachvollziehbar festzuhalten. Bei allem Bemühen um Objektivität ist Forschung allerdings aber immer von einem subjektiven Anteil geprägt, der etwa durch die Vorerfahrungen, Einstellungen und das Wissen des Forschenden bestimmt ist. Da die Existenz des Subjektiven bekannt ist, wird sie zum Beispiel in der Hermeneutik immer derart bewusst gemacht, als es darum geht, sie zu minimieren oder auszuschließen. Doch nicht immer ist das Subjektive zu vermeiden.
    Anhand eigener Erfahrungen soll der subjektive Anteil in der empirischen kunstpädagogischen Forschung angesprochen werden und in der Diskussion dessen Rolle und Wert geklärt werden.

  6. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 11:59

    Falldarstellung: Sabine Steinkopff (Universität Bremen)
    08.09.2004, 14.00 – 14.30 Uhr
    „Ein Fall von …/ Ein Fall für“
    Zur kunstpädagogischen Lust, Situationen in Fälle zu verwandeln
    Kurztext
    Wer kunstpädagogische Publikationen vor allem der vergangenen fünfzehn Jahre sichtet, stößt auf die zunehmende Tendenz, Fallbeispielen eine prominente Rolle bei der Entfaltung des didaktischen Standpunktes zuzuweisen. So werden Fallbeispiele als Exempel für die als gelungen angesehene autonome künstlerische Leistung von Studierenden verwendet (z.B. Selle 1998), als stattgefundene selbstbestimmte ästhetische Forschung (Kämpf-Jansen 2001) oder ästhetische Operation (Maset 2001) vorgestellt oder Zeugnisse von Übersetzungsvorgängen in Wahrnehmungs- und Auslegungsprozessen, analysiert (Peters 1996). Eine weitere Fülle von Fallstudien fächern beispielsweise die von Blohm herausgegebenen, nunmehr vier Bände umfassenden Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung auf.
    Der Fall als für sich selbst sprechendes Bild wird zur rhetorischen Figur, die ein beredtes Zeugnis davon geben soll, dass der behauptete didaktische Anspruch – beispielsweise in Bezug auf die Offenheit, Pluralität, Prozesshaftigkeit und Subjektorientierung in den zugrunde liegenden Situationen – auch eingelöst wurde. Kunstpädagogische Positionen zeichnen damit nach, dass künstlerische Haltungen und Arbeitsweisen längst strukturell zum Vorbild für didaktische Settings gewordenen sind und dass eine qualitative kunstpädagogische Arbeit einer qualitativen empirischen Forschung bedarf. Georg Peez (2000) ist mit seiner umfassenden Untersuchung Qualitative empirische Forschung in der Kunstpädagogik diesem Phänomen nachgegangen.
    Versteht man Theorie im konkreten Sinne als die aus Erfahrung gewonnene Erkenntnis, ist die kunstpädagogische Lust, Situationen in Fälle zu verwandeln sowohl nachvollziehbar als auch notwendig. Dennoch sind die dabei auch entstehenden blinden Flecken zumindest dann zu reflektieren, wenn die Fälle nicht nur für sich sprechen, sondern eine transferable Qualität gewinnen sollen. Ich werde einerseits über den Transfer von Situationen in Fälle nachdenken und einige Erinnerungsbilder aus der kunstpädagogischen Praxis vorstellen und andererseits aus meiner aktuellen Forschungsarbeit zum Transfer des ästhetischen Projekts von Gert Selle berichten.
    Literatur zur Vorbereitung
    Blohm, Manfred (Hg.): Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung: Band 1: Blohm, Manfred (Hg.): Leerstellen. Perspektiven für ästhetisches Lernen in Schule und Hochschule. Köln 2000
    Blohm, Manfred (Hg.): Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung: Band 2: Kämpf-Jansen, Helga: Ästhetische Forschung. Wege durch Alltag, Kunst und Wissenschaft. Zu einem innovativen Konzept ästhetischer Bildung. Köln 2001
    Blohm, Manfred (Hg.): Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung: Band 3: Buschkühle, Carl-Peter (Hg.): Perspektiven künstlerischer Bildung. Texte zum Symposion Künstlerische Bildung und die Schule der Zukunft. Köln 2003
    Blohm, Manfred (Hg.): Diskussionsbeiträge zur ästhetischen Bildung: Band 4: Blohm, Manfred (Hg.): Berührungen & Verflechtungen. Biografische Spuren in ästhetischen Prozessen. Köln 2002
    Maset, Pierangelo: Praxis, Kunst, Pädagogik: Ästhetische Operationen in der Kunstvermittlung. Lüneburg 2001
    Peez, Georg: Qualitative empirische Forschung in der Kunstpädagogik. Methodologische Analysen und praxisbezogene Konzepte zu Fallstudien über ästhetische Prozesse, biografische Aspekte und soziale Interaktion in unterschiedlichen Bereichen der Kunstpädagogik. Hannover 2000
    Peters, Maria: Blick – Wort – Berührung. Differenzen als ästhetisches Potential in der Rezeption plastischer Werke von Arp – Maillol – F. E. Walther. München 1996
    Selle, Gert: Kunstpädagogik und ihr Subjekt. Oldenburg 1998

  7. sabisch
    31. Oktober 2006 @ 12:19

    Falldarstellung: Dr. Andreas Brenne (Münster)
    09.09.2004, 09.30 – 10.00 Uhr
    „Lehr-Fälle reflektieren“
    Künstlerische Feldforschung in der Primarstufe – Ethnographische Feldforschung als Kernmethode der Unterrichtsforschung durch Lehrende
    Kurztext
    Das Theorie-Praxis-Problem ist ein Defizit der erziehungswissenschaftlichen Theoriebildung und somit auch der Kunstpädagogik. Um praxisbezogene Theorien von Schule und Unterricht zu generieren, erscheint es deshalb notwendig, die pädagogischen Praktiker in den Forschungsprozess einzubeziehen, bzw. sie zu eigenen Forschungen anzuregen. Eine praxisbezogene Unterrichtsforschung durch einen Lehrer kann in der Selbsterforschung und Evaluation des eigenen Unterrichts liegen. Diese kann selbständig oder in Zusammenarbeit mit Kollegen oder wissenschaftlichem Personal stattfinden. Dass dies in der Praxis Probleme aufwirft (zeitliche Organisation, Distanzierungsschwierigkeiten), lässt sich denken. Dennoch ist die kritische Beobachtung und Reflexion von Unterricht eine Anforderung, der sich jeder Lehrer stellen muss. Die Trias der pädagogischen Professionalität (Planung/Durchführung/Reflexion) ist in jedem Lehrerausbildungs- und Fortbildungssystem festgeschrieben. Während die ersten beiden Elemente detailliert eingeübt und weiterentwickelt werden (vgl. die einschlägige didaktische Kompendienliteratur), wird das Element der Reflexion vernachlässigt. Viele Lehrkräfte begnügen sich mit der Anwendung von naiven Alltagstheorien, was sich nachhaltig auf die Qualität von Planung und Durchführung von Unterricht auswirken kann.
    Die qualitative Methode der ethnographischen Feldforschung stellt m.E. nach einen praktikablen Ausweg aus diesem Dilemma dar. Mein Beitrag zum Kunstpädagogischen Kolloquium sieht wie folgt aus:
    Beginnen möchte ich mit einer theoretischen Standortbestimmung, die sich sowohl auf die Darstellung sozialwissenschaftlicher Bezüge der ethnographischen Methode (Malinowski, Chicago School) bezieht, als auch einen kurzen Überblick über Traditionen pädagogischer Ethnographie geben möchte.
    Nach diesen theoretischen Einlassungen folgt im Sinne einer Konkretisierung die Beschreibung eines kunstpädagogischen Forschungsprojektes, das auf der Grundlage ethnographischer Methoden durchgeführt wurde. In diesem Zusammenhang sollen forschungsmethodische Schwierigkeiten wie etwa der Umgang mit Komplexitätsproduktion und -reduktion im Forschungsprozess zur Sprache kommen. Im Weiteren werden unterschiedliche Beobachtungssysteme vorgestellt um abschließend Möglichkeiten der Auswertung der durch Feldforschung erhobene empirische Daten zudiskutieren. Ethnographischer Feldforschung in kunstpädagogischen Kontexten zeichnet sich durch einen offenen Forschungsfokus aus. Insofern erscheint mir die gegenstandsbezogene Theoriebildung („Grounded Theory“, 1967 von Barney Glaser und Anselm L. Strauss entwickelt) eine Methode zu sein, die eine hohe Relevanz für die Praxisforschung (Unterrichtsforschung) aufweist. Diese Methode vermeidet im Vorfeld festzulegende Fragestellungen ebenso wie eine theoriegeleitete Forschung. Eine Generierung von Theorien erwächst aus der Introspektion des Forschungsfeldes. Durch Triangulation der Forschungsergebnissen mit anderen Auswertungsverfahren entsteht eine gewisse Validität, die im Unterschied zur quantitativen Empirie keine Gesetzmäßigkeiten sondern Regelhaftigkeiten von hoher Praxisrelevanz erzeugen.
    Vergl. Literatur
    Brenne, Andreas: Ressource Kunst – „Künstlerische Feldforschung“ in der Primarstufe – Qualitative Erforschung eines kunstpädagogischen Modells, Münster, 2004
    Glaser, Barney G./ Strauss, Anselm L.: Die Entdeckung gegenstandsbezogener Theorie: Eine Grundstrategie qualitativer Forschung, in: Hopf, Ch./Weingarten, E. (Hrsg.): Qualitative Sozialforschung, Stuttgart, 1969

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