Loccum 2006

Drittes kunstpädagogisches Kolloquium 2006

Drittes kunstpädagogisches Kolloquium in der Ev. Akademie Loccum vom 26.-27. August 2006

Kunst und Wissen

Man müsse sich klarmachen, „dass Kunst eventuell nicht so viel mit Wissen zu tun hat“, antwortet Roger M. Buergel befragt durch den BDK in Bezug auf die Kunstvermittlung. Und er führt weiter aus, dass Kunst eventuell sogar eine Kritik an Wissen sei, dass es nicht darum ginge, etwas zu verstehen, sich etwas anzueignen. Gerade damit bestreitet er nicht eine Verbindung zwischen Kunst und Wissen, sondern problematisiert diese vielmehr.
Wie ist das Verhältnis von Kunst und Wissen zu denken? Handelt es sich um einen Antagonismus, eine Dialektik, eine Ausnahmebeziehung? Ist Kunst tatsächlich eine Kritik an Wissen? Ist sie das andere des Wissens? Ist sie gerade das, was sich dem Wissen beharrlich entzieht und von diesem ausgenommen ist? Ist Wissen stets kühle, allgemeine Rationalität, Kunst schöner Ausdruck des Besonderen? Kann man Kunst verstehen oder eben nicht – oder kann uns die Kunst zu verstehen geben, dass es allgemein nichts zu verstehen gibt?
Wie positionieren sich folglich Wissen-Schaft und Kunst zueinander? Wie weit reicht die ästhetische Dimension in den wissenschaftlichen Methoden, Sprachen und Darstellungen – gerade dort, wo bildgebende, theatrale oder performative Verfahren in die Wissensproduktion der Wissenschaften Einzug halten; gerade dort, wo sich Wissenschaft zunehmend selbst als – vielleicht artifizielle – Praxis begreift, die Dinge nicht entdeckt, sondern macht: als eine Tat-Sache, als ein Sach-Verhalten.
Wie steht es ferner mit jenem Wissen über Kunst? Und wie verhält es sich mit der Vermittlung dieses Wissens über Kunst? Mit der Kunstvermittlung, der Kunstpädagogik?
Und letztlich: Wie generiert man ein Wissen über diese Vermittlung des Wissens über Kunst? Wie erforscht man also Kunstpädagogik? Hat dieses kunstpädagogische Wissen eventuell nicht so viel mit Kunst zu tun? Oder ist die Kunst möglicherweise eine Kritik an diesem Wissen?

Leitung
Sara Burkhardt
Stephan Münte-Goussar
Julia K. Schawe
26.-27.08.2006