Tacit Knowledge in Aesthetics

Ausgehend von der Tagung „Tacit Dimensions of Pedagogy“ in Berlin 2011 hat sich seither ein internationales Forschungsteam mit Fragen der impliziten Erfahrungen im pädagogischen Kontext auseinandergesetzt. Nun haben Bosse Bergstedt, Anne Herbert, Anja Kraus und Christoph Wulf das gleichnamige Buch herausgegeben, das man als Gegenentwurf zur allzu messbarkeitsorientierten empirischen Bildungsforschung lesen kann. In meinem Beitrag geht es um „Tacit Knowledge in Aesthetics“.

Tagung „Fragwürdiges Bilderbuch“

Bilderbücher sind mehr als visuell gestützte Erzählungen oder textuell kommentierte Bildserien. Bilderbücher sind kulturelle Transformatoren von symbolischen und imaginären Welten. Während sich die Besonderheit des Bilderbuchs aus der Doppelstruktur von Text und Bild speist, ist die Praxis der Bilderbuchrezeption geprägt von einseitigen Umgangsweisen: Noch immer werden Bilderbücher zumeist auf eine Narration hin rezipiert. Gleichzeitig fällt auf, dass der Umgang mit dem spezifisch Bildlichen Unsicherheiten provozieren. Dies steht in einem Spannungsverhältnis zum gesellschaftlichen Mediengebrauch und ästhetischem Erfahrungswandel. Durch die digitale Zäsur verändern sich nicht nur visuelle Darstellungsmodi und Kommunikationsstrukturen, sondern auch Text-und Bildrelationen des bisher so traditionellen Mediums. Im Bilderbuch wird mit Nähe und Ferne zwischen Text und Bild, mit textuellen und visuellen Leerstellen, mit Blick- und Leserichtungen experimentiert. Neue Formate, wie z.B. die Graphic Novel, assoziative Bildserien oder offene Bildepisoden entstehen. Es verwundert nicht, dass sich mit dem wandelnden Verständnis des Bilderbuchs auch die Adressatenkreise und der Wirkungsanspruch dieses Genres verändern. Bilderbücher sind vermehrt als All-Age-Bücher konzipiert, die zum Assoziieren und Befragen herausfordern.

Inwiefern aber lässt sich das Bilderbuch selbst befragen? Was ist in theoretischer und didaktischer Hinsicht fragwürdig an diesem facettenreichen Medium? Welche Bildungs- und Lernpotenziale bietet das Bilderbuch? Was ist das spezifisch Visuelle und Textuelle? Wie lässt sich darüber sprechen? Wie kann man visuell darauf antworten? Was sind spezifisch ästhetische Erfahrungen mit Bilderbüchern? Wie wird das Imaginative in Bilderbüchern hervorgerufen? Welche Rezeptionszugriffe entwickeln Kinder auf unterschiedliche Formen der Text-Bild-Relationen? Welche Interaktionsformen zwischen Bilderbuchvermittler/innen und Kindern gibt es? In welchem Verhältnis stehen diese zu den je spezifischen Potenzialen des Bilderbuchs? Welche Fragen kann eine interdisziplinäre Grundlagenforschung zur Bilderbuchrezeption behandeln? Wie kann eine Produktionsforschung gedacht werden?

Die Arbeitstagung richtet sich an interdisziplinär Forschende, Doktoranden und Studierende. Das Programm finden Sie hier.
Eine vorherige Anmeldung per Mail wird erbeten an andrea.sabisch@uni-hamburg.de und iris.kruse@uni-hamburg.de

Forschungskolloquium „Schreiben, Zeichnen, Forschen“

Interessierte Wissenschaftler/innen am Forschungskolloquium mit dem Thema „Schreiben, Zeichnen, Forschen“ sind herzlich eingeladen am 11. Mai 2012 in die Universität Hamburg zu kommen. Mit diesem Kolloquium soll der Versuch gestartet werden, Forschende im deutschsprachigen Raum zusammen zu bringen, die sich mit den Relationen und der spezifischen Medialität und Materialität von Bild und Sprache wissenschaftlich auseinandersetzen. Während schriftliche Notationspraktiken und Aufzeichnungen bereits im 20. Jahrhundert in der Forschung thematisiert wurden, kann man gegenwärtig die theoretischen Debatten über die Relevanz des Visuellen in Erkenntnisprozessen mit verfolgen. So entstehen derzeit Forschungsarbeiten zum Thema des Zeichnens, zur medialen Übersetzung von Bild und Sprache, zur „Visual literacy“, zum Sprechen über Kunst oder zur Kategorisierung visueller Erfahrung.

In diesem ersten Kolloquium soll vormittags ein Austausch zwischen den Beteiligten angeregt und die eigenen Forschungsarbeiten vorgestellt werden. Nach einem gemeinsamen Mittagessen stellen dann Christoph Hoffmann (Universität Luzern) und Judith Marlen Dobler (Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel) ihre eigenen Forschungen vor. Ziel ist es eine neue interdisziplinäre Forschungsgruppe zu gründen.
Näheres zum Programm finden Sie hier.

Interessierte richten sich bitte per Mail mit kurzer Angabe zum eigenen Forschungsprojekt an andrea.sabisch@uni-hamburg.de

Veranstalterin: Prof. Dr. Andrea Sabisch

Wo?
Universität Hamburg
Fakultät 4, FB Erziehungswissenschaft
Ästhetische Bildung
Von-Melle-Park 8
Raum 504

Vortrag im Hamburger Kinderbuchhaus

Unter dem Titel „Kinder sprechen über Bilderbücher – Forschung zur visuellen Bildung“ halte ich morgen um 19 Uhr in der Reihe mitReden! einen Vortrag im Hamburger Kinderbuchhaus im Museum Altona. Er handelt davon, dass Visuelle Bildung mehr ist, als ein „Lesen“ von Bildern oder ein wiederentdeckendes Sehen. Vielmehr beginnt visuelle Bildung mit einem individuellen Aufmerksamwerden auf etwas, mit einem Staunen oder einer Fremdheit. Aber wie kann man dieses Aufmerksamwerden erforschen? Wie kann man ein bildendes Sehen durch Bilderbücher hervorrufen? Welche Bilderbücher eröffnen Kindern die Möglichkeit des visuellen Staunens? Wie hängen Sehen und Denken, Bild und Sprache zusammen? Und wie erzeugen Bilder Sinn?

Kolloquium zur Vernetzung

Ausgehend von den Expeditionen Ästhetische Bildung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik, trafen sich Freitag Vertreter/innen der Kunstpädagogik an der Universität Hamburg zum Auftakt eines institutionsübergreifenden Gesprächs. Elf Lehrende von Schule und Hochschule, Studierende und Referendarinnen berieten über Möglichkeiten der zukünftigen Kooperation  und Vernetzung, sowie über potentielle Reflexionsformen der kunstpädagogischen Vermittlung. Im Sommersemester soll dieser Dialog kontinuierlich weitergeführt werden. Dazu werden rechtzeitig Veranstaltungen bekannt gegeben. Interessierte wenden sich bitte an andrea.sabisch@uni-hamburg.de.

Achte Expedition Ästhetische Bildung

Die achte Expedition Ästhetische Bildung fand an der Hamburger Stadtteilschule Eidelstedt statt.  An dieser Schule können Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse an einem Tag in der Woche ihr so genanntes “Profil”, in diesem Falle “Kunst” studieren.

In sechs zusammenhängenden Stunden erfahren sie, wie es ist, über Monate an einem selbst gewählten Thema individuell und im Team zu arbeiten. Die 10. Klasse im Kunstprofil von Julie Heitmann wählte das Thema: “Alice – Bist Du im Wunderland?” Nachdem die Schülerinnen und Schüler mit der engagierten Lehrerin schon viel zeitgenössische Kunst in Berliner und Hamburger Museen und Galerien (u.a. die Wunder-Ausstellung in den Deichtorhallen) kennengelernt hatten, sollten sie an diesem Tag ihre individuellen Projekte fertigstellen und präsentieren.

Eine Aufgabe bestand darin, Szenerien aus “Alice im Wunderland” auf die eigene Schule zu übertragen, sich entsprechende Orte zu suchen und räumliche Modelle, Grundrisse und Gestaltungsideen zu entwerfen, an denen die Szenen als Bühnen für ein Theaterstück in mehreren Loops entwickelt werden können.  Alle Teilnehmenden (Hochschullehrende, Studierende und Referendare) fühlten sich von diesem individualisierten Unterricht in den Bann gezogen: Neben einem von den Schülerinnen und Schülern entworfenen visuellen Blog, wurden die unterschiedlichsten Modelle gebaut, Ansichten gezeichnet, tagebuchartige Eintragungen in ein Kunstheft aufgezeichnet,  Streetart-Ideen zu Alice umgesetzt, die Kunstbibliothek genutzt, Software für 3-D-Darstellungen oder Grundrisse ausprobiert, Kostenvoranschläge erstellt, Zeit- und Ablaufpläne zur Realisierung angefertigt und über Probleme der Darstellung gesprochen.

Beeindruckend war die Kombination aus einer konzentrierten und individuellen Herangehensweise von Einzelnen und Teams als auch aus einer ansteckend herzlichen und offenen Arbeitsatmosphäre, die im Wechselspiel mit der verbindlichen und überaus kompetenten Lehrerin Julie Heitmann entstand. Dies zeigte sich auch daran, dass in der gemeinsamen Reflexion der Expedition noch einige Schülerinnen freiwillig blieben, um mitzusprechen und zuzuhören. Insgesamt hinterließ dieser Tag bei allen Teilnehmenden sehr eindrucksvolle Momente, die zahlreiche Ideen und Motivation für eigene innovative Unterrichtsprojekte und neue Kooperationen entstehen lassen.

Tagung der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung e.V.

Diese Tagung der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung findet  am 25./26.11.2011 in der Kunsthochschule Mainz statt. Sie widmet sich unter anderem folgenden Fragen:

Wie entstehen gemeinsame Vorstellungen? Wie konstituiert sich ein Unterrichtsgegenstand? Und wie ein Lehrerbild? Welche Rolle spielt das Imaginäre in Bildungsprozessen? Woraus speist sich das Imaginäre? Woran fällt es aus? Inwiefern prägen Medien die Entstehung des Imaginären? Wer imaginiert von wessen kultureller Imagination? Wie ist der Übergang vom individuellen Imaginären zu einem gesellschaftlich Imaginären zu denken? Wo ist das Imaginäre, wenn es nicht erscheint?

Genaue Angaben zum Programm, den Vortragenden und zur Anmeldung finden Sie unter folgendem Link auf der Seite der

Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung.

Landesfachtag Kunst Schleswig Holstein

Der Landesfachtag Kunst ist die zentrale Fortbildungsveranstaltung des IQSH im Fach Kunst, die jährlich zu wechselnden Themen mit verschiedenen Kooperationspartnern stattfindet. 2011 werden aktuelle kunstdidaktische Konzepte und Unterrichtsformen vorgestellt: Fragen, Forschen, Wahrnehmen und Experimentieren sind Ausgangssituationen von Kunstunterricht, die zum Nachdenken über Leben und Welt und zum handelnden Gestalten, Eingreifen und Verändern führen.

Auf Schloss Gottorf wird ein vielfältiges Angebot an Workshops in Konzepte der Kunstpädagogik einführen – von der ästhetischen Forschung über biografisches Arbeiten bis zur Auseinandersetzung mit Jugendkultur, die sich heute etwa als FanArt im Internet präsentiert. Jugendkulturelle Formen der Nutzung Neuer Medien werden aufgegriffen, einfache Zeichentrickfilme und interaktive Videos werden erstellt, der kreative Umgang mit Audioguides im Museum wird erprobt.

Für genauere Angaben zu Programm und Anmeldung klicken Sie bitte hier (PDF).

Oder besuchen Sie die Seite des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein.

Das Unheimliche in Bilderbüchern und Filmen

Aus den Werkstattseminaren Film und Illustration von Dr. des. Manuel Zahn und Prof. Dr. Andrea Sabisch sind in den letzten Jahren einige Bilderbücher und Filme entstanden, die am Mittwoch, 02.11.2011 im Foyer der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft (Von-Melle-Park 8, 20146 HH) ab 19 Uhr für einen Abend präsentiert und ausgestellt werden. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Ringvorlesung »Wunder in Kunst und Pädagogik«

WUNDER ist eine interdisziplinäre Ausstellung über die Grenzen abendländischer Rationalität – an ihren Rändern, in ihrem Innern und in ihrer Geschichte. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, präsentiert sie das, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bewegenden Gemeinschaftserlebnis.

Anlässlich der Ausstellung WUNDER, die vom 23. September 2011 bis 5. Februar 2012 in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen ist, widmet sich die Ringvorlesung der Fakultät EPB (Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft) der Universität Hamburg dem „Wunder in Kunst und Pädagogik“. Ausgehend von dem interdisziplinären Ansatz der Ausstellung nehmen Experten unterschiedlichster Provenienz das Thema Wunder zum Anlass, die Grenzen des eigenen Wissens und der eigenen Disziplinen zu erkunden.

Die einzelnen Termine und Vorträge können Sie hier einsehen.

Die Ausstellung zeichnet nach, wie christliche Religion und antike Naturphilosophie die abendländische Vorstellung des Wunders geprägt haben. Es wird kenntlich als eine Öffnung in der Welt, aus der Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen sind. Diese Öffnung verweist jedoch immer auch auf einen Mangel, eine Lücke, die zu schließen ebenso ersehnt wie unmöglich ist. Zwischen den Traditionen und Disziplinen mäandernd, stellt die Ausstellung das abendländische Weltbild und seine fragile Fähigkeit zur Sinngebung zur Diskussion, indem sie die einzigartige Verbindung religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Motive mit alternativen Sichtweisen vergleicht – und nach dem Potential der Kunst fragt, zwischen diesen Sichtweisen zu vermitteln.
Hieran knüpft die Ringvorlesung an. Sie versteht unter Wundern wirksame Geschehnisse radikaler Fremdheit, die sich unseren Erwartungen, Absichten und Erklärungen entziehen. Sie markieren die Grenzen der Rationalität und werden zum Gegenstand von Zweifel, Kritik, Unterwerfungsbereitschaft oder Neugier, nähren den Verdacht auf Betrug, lassen aber auch auf Allmacht hoffen. Fast im Gegensatz dazu haben im christlichen, später hauptsächlich im katholischen Zusammenhang, Wunder Beweischarakter und beruhigen den Zweifel. Sie benötigen Zeugen und die Etablierung einer Tradition, um weiterhin wirksam zu bleiben, um vielleicht so ähnlich noch einmal einzutreten, zumindest am Ort des Geschehens über Reliquien in einen privilegierten Bezug zu etwas Jenseitigem zu kommen, wohin zu fliehen möglich scheint. Wegen der vieldimensionalen Facetten, die Wunder durch ihren Einbruch in das Gewohnte preisgeben, sind ganz unterschiedliche Diskurse gefragt an einer Klärung zu arbeiten: kunst- und medientheoretische, erziehungswissenschaftliche, theologische, philosophische, künstlerische, literaturwissenschaftliche, mathematische und nicht zuletzt wissenschaftskritische.

Ausgehend von der Folie von Bildung und Wissen als elementaren Kategorien des Schwellenübergangs von Kindheit zu Jugend und Erwachsensein beschäftigt sich die Ringvorlesung mit der damit verbundenen Ambivalenz des Wissens: seine Kraft des Eröffnens neuer Welten und der Teilhabe an Gesellschaft, andererseits der Verlust an Unmittelbarkeit und – vielleicht – Reinheit. Sowohl in der Kunst als auch in der Pädagogik begegnen wir kulturell geprägten Manifestationen des Utopischen, dessen, was eigentlich nicht sein kann und nicht sein darf: Von der Wunderkammer als faszinierender Ort der Bildung, über mediale, künstlerische Beweisführungen und Präsentationen, bis hin zu magischen Kindheitsvorstellungen und Sternstunden der Bildung. Von einer solchen anderen Welt berichtet etwa auch Lewis Carroll mit „Alice in Wonderland“, dem sich mehrere Beiträge der Ringvorlesung aus kunsthistorischer, mathematischer, psychoanalytischer oder literaturwissenschaftlicher Perspektive nähern.

Die Ringvorlesung ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit der Praxis für Ausstellungen und Theorie (Hürlimann | Lepp | Tyradellis), den Deichtorhallen Hamburg und der Siemens Stiftung. Sie wird unterstützt durch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Körber-Stiftung.