Kolloquium zur Vernetzung

Ausgehend von den Expeditionen Ästhetische Bildung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik, trafen sich Freitag Vertreter/innen der Kunstpädagogik an der Universität Hamburg zum Auftakt eines institutionsübergreifenden Gesprächs. Elf Lehrende von Schule und Hochschule, Studierende und Referendarinnen berieten über Möglichkeiten der zukünftigen Kooperation  und Vernetzung, sowie über potentielle Reflexionsformen der kunstpädagogischen Vermittlung. Im Sommersemester soll dieser Dialog kontinuierlich weitergeführt werden. Dazu werden rechtzeitig Veranstaltungen bekannt gegeben. Interessierte wenden sich bitte an andrea.sabisch@uni-hamburg.de.

Achte Expedition Ästhetische Bildung

Die achte Expedition Ästhetische Bildung fand an der Hamburger Stadtteilschule Eidelstedt statt.  An dieser Schule können Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse an einem Tag in der Woche ihr so genanntes “Profil”, in diesem Falle “Kunst” studieren.

In sechs zusammenhängenden Stunden erfahren sie, wie es ist, über Monate an einem selbst gewählten Thema individuell und im Team zu arbeiten. Die 10. Klasse im Kunstprofil von Julie Heitmann wählte das Thema: “Alice – Bist Du im Wunderland?” Nachdem die Schülerinnen und Schüler mit der engagierten Lehrerin schon viel zeitgenössische Kunst in Berliner und Hamburger Museen und Galerien (u.a. die Wunder-Ausstellung in den Deichtorhallen) kennengelernt hatten, sollten sie an diesem Tag ihre individuellen Projekte fertigstellen und präsentieren.

Eine Aufgabe bestand darin, Szenerien aus “Alice im Wunderland” auf die eigene Schule zu übertragen, sich entsprechende Orte zu suchen und räumliche Modelle, Grundrisse und Gestaltungsideen zu entwerfen, an denen die Szenen als Bühnen für ein Theaterstück in mehreren Loops entwickelt werden können.  Alle Teilnehmenden (Hochschullehrende, Studierende und Referendare) fühlten sich von diesem individualisierten Unterricht in den Bann gezogen: Neben einem von den Schülerinnen und Schülern entworfenen visuellen Blog, wurden die unterschiedlichsten Modelle gebaut, Ansichten gezeichnet, tagebuchartige Eintragungen in ein Kunstheft aufgezeichnet,  Streetart-Ideen zu Alice umgesetzt, die Kunstbibliothek genutzt, Software für 3-D-Darstellungen oder Grundrisse ausprobiert, Kostenvoranschläge erstellt, Zeit- und Ablaufpläne zur Realisierung angefertigt und über Probleme der Darstellung gesprochen.

Beeindruckend war die Kombination aus einer konzentrierten und individuellen Herangehensweise von Einzelnen und Teams als auch aus einer ansteckend herzlichen und offenen Arbeitsatmosphäre, die im Wechselspiel mit der verbindlichen und überaus kompetenten Lehrerin Julie Heitmann entstand. Dies zeigte sich auch daran, dass in der gemeinsamen Reflexion der Expedition noch einige Schülerinnen freiwillig blieben, um mitzusprechen und zuzuhören. Insgesamt hinterließ dieser Tag bei allen Teilnehmenden sehr eindrucksvolle Momente, die zahlreiche Ideen und Motivation für eigene innovative Unterrichtsprojekte und neue Kooperationen entstehen lassen.

Tagung der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung e.V.

Diese Tagung der Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung findet  am 25./26.11.2011 in der Kunsthochschule Mainz statt. Sie widmet sich unter anderem folgenden Fragen:

Wie entstehen gemeinsame Vorstellungen? Wie konstituiert sich ein Unterrichtsgegenstand? Und wie ein Lehrerbild? Welche Rolle spielt das Imaginäre in Bildungsprozessen? Woraus speist sich das Imaginäre? Woran fällt es aus? Inwiefern prägen Medien die Entstehung des Imaginären? Wer imaginiert von wessen kultureller Imagination? Wie ist der Übergang vom individuellen Imaginären zu einem gesellschaftlich Imaginären zu denken? Wo ist das Imaginäre, wenn es nicht erscheint?

Genaue Angaben zum Programm, den Vortragenden und zur Anmeldung finden Sie unter folgendem Link auf der Seite der

Wissenschaftlichen Sozietät Kunst, Medien, Bildung.

Landesfachtag Kunst Schleswig Holstein

Der Landesfachtag Kunst ist die zentrale Fortbildungsveranstaltung des IQSH im Fach Kunst, die jährlich zu wechselnden Themen mit verschiedenen Kooperationspartnern stattfindet. 2011 werden aktuelle kunstdidaktische Konzepte und Unterrichtsformen vorgestellt: Fragen, Forschen, Wahrnehmen und Experimentieren sind Ausgangssituationen von Kunstunterricht, die zum Nachdenken über Leben und Welt und zum handelnden Gestalten, Eingreifen und Verändern führen.

Auf Schloss Gottorf wird ein vielfältiges Angebot an Workshops in Konzepte der Kunstpädagogik einführen – von der ästhetischen Forschung über biografisches Arbeiten bis zur Auseinandersetzung mit Jugendkultur, die sich heute etwa als FanArt im Internet präsentiert. Jugendkulturelle Formen der Nutzung Neuer Medien werden aufgegriffen, einfache Zeichentrickfilme und interaktive Videos werden erstellt, der kreative Umgang mit Audioguides im Museum wird erprobt.

Für genauere Angaben zu Programm und Anmeldung klicken Sie bitte hier (PDF).

Oder besuchen Sie die Seite des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein.

Das Unheimliche in Bilderbüchern und Filmen

Aus den Werkstattseminaren Film und Illustration von Dr. des. Manuel Zahn und Prof. Dr. Andrea Sabisch sind in den letzten Jahren einige Bilderbücher und Filme entstanden, die am Mittwoch, 02.11.2011 im Foyer der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft (Von-Melle-Park 8, 20146 HH) ab 19 Uhr für einen Abend präsentiert und ausgestellt werden. Interessierte sind herzlich eingeladen!

Ringvorlesung »Wunder in Kunst und Pädagogik«

WUNDER ist eine interdisziplinäre Ausstellung über die Grenzen abendländischer Rationalität – an ihren Rändern, in ihrem Innern und in ihrer Geschichte. Werke der Gegenwartskunst umkreisend, präsentiert sie das, was in unserer Welt aus dem Rahmen fällt: von der unerklärlichen Heilung, dem unglaublichen Naturschauspiel und dem wundersam Fremden über die unverhoffte technische Innovation, die künstlerische Idee bis hin zum bewegenden Gemeinschaftserlebnis.

Anlässlich der Ausstellung WUNDER, die vom 23. September 2011 bis 5. Februar 2012 in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen ist, widmet sich die Ringvorlesung der Fakultät EPB (Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft) der Universität Hamburg dem „Wunder in Kunst und Pädagogik“. Ausgehend von dem interdisziplinären Ansatz der Ausstellung nehmen Experten unterschiedlichster Provenienz das Thema Wunder zum Anlass, die Grenzen des eigenen Wissens und der eigenen Disziplinen zu erkunden.

Die einzelnen Termine und Vorträge können Sie hier einsehen.

Die Ausstellung zeichnet nach, wie christliche Religion und antike Naturphilosophie die abendländische Vorstellung des Wunders geprägt haben. Es wird kenntlich als eine Öffnung in der Welt, aus der Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen sind. Diese Öffnung verweist jedoch immer auch auf einen Mangel, eine Lücke, die zu schließen ebenso ersehnt wie unmöglich ist. Zwischen den Traditionen und Disziplinen mäandernd, stellt die Ausstellung das abendländische Weltbild und seine fragile Fähigkeit zur Sinngebung zur Diskussion, indem sie die einzigartige Verbindung religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Motive mit alternativen Sichtweisen vergleicht – und nach dem Potential der Kunst fragt, zwischen diesen Sichtweisen zu vermitteln.
Hieran knüpft die Ringvorlesung an. Sie versteht unter Wundern wirksame Geschehnisse radikaler Fremdheit, die sich unseren Erwartungen, Absichten und Erklärungen entziehen. Sie markieren die Grenzen der Rationalität und werden zum Gegenstand von Zweifel, Kritik, Unterwerfungsbereitschaft oder Neugier, nähren den Verdacht auf Betrug, lassen aber auch auf Allmacht hoffen. Fast im Gegensatz dazu haben im christlichen, später hauptsächlich im katholischen Zusammenhang, Wunder Beweischarakter und beruhigen den Zweifel. Sie benötigen Zeugen und die Etablierung einer Tradition, um weiterhin wirksam zu bleiben, um vielleicht so ähnlich noch einmal einzutreten, zumindest am Ort des Geschehens über Reliquien in einen privilegierten Bezug zu etwas Jenseitigem zu kommen, wohin zu fliehen möglich scheint. Wegen der vieldimensionalen Facetten, die Wunder durch ihren Einbruch in das Gewohnte preisgeben, sind ganz unterschiedliche Diskurse gefragt an einer Klärung zu arbeiten: kunst- und medientheoretische, erziehungswissenschaftliche, theologische, philosophische, künstlerische, literaturwissenschaftliche, mathematische und nicht zuletzt wissenschaftskritische.

Ausgehend von der Folie von Bildung und Wissen als elementaren Kategorien des Schwellenübergangs von Kindheit zu Jugend und Erwachsensein beschäftigt sich die Ringvorlesung mit der damit verbundenen Ambivalenz des Wissens: seine Kraft des Eröffnens neuer Welten und der Teilhabe an Gesellschaft, andererseits der Verlust an Unmittelbarkeit und – vielleicht – Reinheit. Sowohl in der Kunst als auch in der Pädagogik begegnen wir kulturell geprägten Manifestationen des Utopischen, dessen, was eigentlich nicht sein kann und nicht sein darf: Von der Wunderkammer als faszinierender Ort der Bildung, über mediale, künstlerische Beweisführungen und Präsentationen, bis hin zu magischen Kindheitsvorstellungen und Sternstunden der Bildung. Von einer solchen anderen Welt berichtet etwa auch Lewis Carroll mit „Alice in Wonderland“, dem sich mehrere Beiträge der Ringvorlesung aus kunsthistorischer, mathematischer, psychoanalytischer oder literaturwissenschaftlicher Perspektive nähern.

Die Ringvorlesung ist eine Kooperation der Universität Hamburg mit der Praxis für Ausstellungen und Theorie (Hürlimann | Lepp | Tyradellis), den Deichtorhallen Hamburg und der Siemens Stiftung. Sie wird unterstützt durch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Körber-Stiftung.

Empirie des Lehrens

In den »Lehr-Performances – Filmische Inszenierungen des Lehrens« thematisieren Manuel Zahn und Karl-Josef Pazzini als Herausgeber das Lehren als bislang unbekanntes, komplexes, nachhaltiges und wenig erforschtes Beziehungsgeflecht. Ausgehend von einer interdisziplinären Ringvorlesung an der Universität Hamburg entstand ein Buch, welches für bildungs-, kultur- und medienwissenschaftliche Kontexte höchst aktuell und interessant ist. Die Einzelbeiträge erforschen das Lehren als performatives Phänomen, welches nicht 1:1 in Lernprozesse übersetzbar ist, sondern längerfristig, mehrdimensional und interdisziplinär gedacht werden muss. Anhand von Filmen, wie »Die Welle«, »Das fliegende Klassenzimmer«, »Le Fils«, »L`Enfant sauvage«, »Der Club der toten Dichter«, »Entre le murs«, »Blackboards«, »Mona Lisas Lächeln«, »Monsieur Mathieu«, »The  Wire«, »Das weiße Band« untersuchen die Autoren verschiedener Disziplinen nicht nur die filmische Darstellungen im Hinblick auf Facetten des Lehrens, sondern begreifen die Filme als eine andere Form der Empirie: Eine Empirie, die die Konstruiertheit und Fiktionalität ihrer Daten ernst nimmt.

Kunst – Sprache – Vermittlung

Das achte kunstpädagogische Forschungskolloquium an der Evangelischen Akademie Loccum findet zum Thema »Kunst – Sprache – Vermittlung – Beschreibungen von kunstpädagogischen Prozessen« vom 2.-4. September 2011 unter der Leitung von Kerstin Asmussen, Katja Helpensteller, Gila Kolb und Evelyn May statt. Die Sprache ist für die kunstpädagogische Forschung in doppeltem Sinne bedeutsam: Zum einen in der Begegnung mit Kunst und ästhetischen Prozessen in Situationen der Kunstvermittlung, zum anderen in der Forschung darüber und der damit verbundenen Aufgabe der Dokumentation, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse. Als zentrales Instrument der Verständigung dient Sprache im Kunstunterricht und in der Kunstvermittlung etwa der Reflexion von eigenen ästhetischen Arbeiten, dem Feedback seitens der Lehrenden und Lernenden und der Rezeption von Kunstwerken, indem individuelle Perspektiven und Sichtweisen verbalisiert werden. Doch lassen sich ästhetische Erfahrungen und subjektive Wahrnehmungen in ihrer Gänze verbal erfassen? Gottfried Boehm etwa lehnt eine Übersetzbarkeit von Bildern in verbale Sprache ab; Ursula Brandstätter betont die Unübersetzbarkeit der ästhetischen Erfahrung in Begriffe (vgl. Lange 2010). Doch im Forschungskontext ist Sprache ein primäres Medium, um ästhetische Prozesse zu beschreiben: Schülerinnen und Schüler oder andere Personen im Forschungsfeld reflektieren ihr Tun, die Forschende wiederum beobachten, stellen Fragen, analysieren und interpretieren. Dabei bewegen sich Forschende im weiten Feld einerseits mit  der eigenen Argumentation zu überzeugen zu müssen und andererseits für die Lesenden ansprechend zu erzählen (vgl. Reichertz, Soeffner 1994, S. 310).
Im Rahmen des diesjährigen Kolloquiums soll beleuchtet werden, ob und inwiefern gerade in der kunstpädagogischen Forschung ein besonderes Potential für mehrdimensionale Übersetzungsstrategien aus der Kunst heraus besteht oder bereits praktiziert wird. Welche Strategien verfolgt der wissenschaftliche Nachwuchs, um kunstpädagogische Prozesse zu beschreiben? Ziel ist es ein Nachdenken über das Verhältnis von Sprache, Kunst, Kunst-vermittlung und kunstpädagogischer Forschungspraxis anzuregen. Dr. des. Rahel Ziethen (Universität Hildesheim) wird das Kolloquium dazu mit einem impulsgebenden Beitrag bereichern. Näheres hier

Expedition Ästhetische Bildung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Die fünfte Expedition Ästhetische Bildung im Rahmen des Bundeskongresses der Kunstpädagogik fand am 9. Juni in der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. 16 Kunstpädagog/innen aus Frankfurt, Mainz, Wiesbaden und Berlin und Hamburg trafen sich, um den kollegialen Dialog über Kunstvermittlung vor Ort zu diskutieren. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie man Vorstellungen und Imaginäres im Kontext von Ästhetischer Bildung thematisieren, aktivieren und kontextualisieren kann. Das Besondere dieses Austauschs war die gemischte Zusammensetzung der beteiligten Expertisen, bzw. Professionen: Drei Lehrerinnen, zwei Referendarinnen, vier Museumspädagog/innen, drei Studierende, zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und zwei Professor/innen aus unterschiedlichen institutionellen und regionalen Perspektiven.
Nach einem kurzen Vortrag zur kunstpädagogischen Arbeit im Museum (Hofmann), stellte die Leiterin der Kunstvermittlung der Schirn (Dr. Eschenfelder) mit ihrer Kollegin Rauber die eigenen Arbeitsweisen, Formate und Angebote vor. Unter der Leitung von dem freien Kunstpädagogen und Lehrbeauftragten Fabian Hofmann und Prof. Dr. Andrea Sabisch konnten die Teilnehmenden zwischen zwei Zugängen und Ausstellungen wählen. Während eine Gruppe bei der Führung zur Ausstellung von Francesco Clemente hospitierte, um diese im Hinblick auf die Öffnung für Imaginäres zu befragen, entwarf die zweite Gruppe zur Ausstellung der zypriotischen Künstlerin Haris Epaminonda eigene Ideen für Imaginationsbildungen, die in der Kunstvermittlung Anwendung finden können. Ein gemeinsames Gespräch über die verschiedenen Weisen der Vermittlung in Bezug auf die Exponate und eine zukünftige Vernetzung beendete den diskussionsfreudigen und anregenden Nachmittag.